Art des Hochgebirgskampfes entsprechend teilweise ein¬
gehender als jene auf den anderen Kriegsschauplätzen.
Bis Ende Mai 1915 hatte sich die allgemeine Kriegs¬
lage wesentlich zugunsten Österreich-Ungarns verscho¬
ben: der deutsch-österreichische Sieg bei Gor lice am
2. Mai 1915 und seine energische Ausnützung hatte den
Umschwung herbeigeführt. Die Russen gingen hunderte
Kilometer zurück, und den Serben und Rumänen ver¬
ging die Lust zu Angriffen. Deshalb konnte Österreich-
Ungarn es wagen, Truppen vom Balkankriegsschauplatze
gegen Italien abzuziehen, und nur so wurde es möglich,
die Isonzolinie zu halten. Die Auswirkungen des Sieges
bei Gorlice erlaubten es sodann auch, vom russischen
Kriegsschauplatze Truppen an die italienische Grenze
zu senden.
So kamen zur Zeit der italienischen Kriegserklärung
an Österreich-Ungarn (23. Mai 1915) schon Verstärkun¬
gen herangefahren: das XV. und XVI. Korps — beide
aus Gebirgsbrigaden bestehend — von der serbischen
Front an den Isonzo, das südungarische VII. aus Gali-
zien nach Kärnten. Tirol wäre von Feldtruppen ganz
entblößt gewesen. Da half Deutschland aus — obwohl
es von Italien noch keine Kriegserklärung erhalten hatte
— und sandte das deutsche Alpenkorps nach Tirol. Die¬
ses Korps, 13 Bataillone, 4 Radfahrkompagnien, 17 Ma¬
schinengewehrabteilungen und 48 Geschütze stark, hatte
den gefährdeten Dolomitenraum, insbesondere in den
Richtungen Toblach, Bruneck, Brixen und Bozen zu
schützen. Noch vor Ende Mai waren die deutschen Trup¬
pen in diesen Abschnitten eingetroffen.
Die Not an Mann brachte es mit sich, daß auch gebirgs-
ungewohnte Soldaten im felsigen Hochgebirge kämpfen
mußten. Mit Recht sagt das österreichische Kriegsarchiv¬
werk: „Steppensöhne, Städter, Mittelgebirgler, alle er¬
lernten im notwendigen Maße die Anpassung an das Ge¬
birge."
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