Das geeinte Israel unter den ersten Königen
Jerusalem durch Errichtung von Prachtbauten das Aussehen einer
Großstadt nach Art der anderen orientalischen Hauptstädte zu ge
ben. Zunächst ging er, dem letzten Willen seines Vaters entspre
chend, an die Erbauung eines Jahve würdigen Tempels an Stelle des
zeltartigen, an das primitive Nomadenleben Israels gemahnenden
Gebäudes, in dem David die Lade Jahves untergebracht hatte. Auf
Grund eines Vertrages, den Salomo mit seinem Bundesgenossen, dem
König von Tyrus Hiram y abgeschlossen hatte, lieferte dieser das für
den Tempelbau benötigte Edelholz. 30.000 Israeliten wurden von
dem Könige damit beschäftigt, Zedern auf dem Libanon zu schlagen,
und Tausende von israelitischen und phönizischen Arbeitern brachen
in den Bergen Steine, die zu Quadern behauen und zur Baustätte
befördert wurden. Überdies sandte Hiram Baumeister und Gold
nach Jerusalem. Salomo lieferte ihm seinerseits Weizen und öl und
verpfändete ihm zwanzig Städte im Norden seines Reiches. Nach
sieben Jahren war der Tempelbau beendet. Das majestätische Ge
bäude war innen mit Zedernholztafeln ausgelegt, in die goldüber
zogene Ornamente eingeschnitzt waren. In einem Hinterraum des
Tempels, dem »Debir« (später »Allerheiligstes« genannt), waren zwei
Cherubim, Figuren mit ausgebreiteten Flügeln, aufgestellt, die das
älteste Volksheiligtum, die Lade Jahves, behüteten. In der Vorhalle
befanden sich der Räucheraltar und der Schaubrotetisch. Ein geräu
miger Hof mit einem Bronzealtar und dem sogenannten »ehernen
Meer«, einem Wasserbehälter für die priesterlichen Waschungen, war
für Festversammlungen bestimmt. Zur Feier der Tempeleinweihung
versammelten sich in Jerusalem Israeliten aus allen Teilen des Rei
ches. Die Priester brachten die Lade Jahves mit den Gesetzestafeln
in den »Debir«, der durch das in ihm herrschende unheimliche Halb
dunkel an den ursprünglichen Wohnort Jahves, den finsteren und
majestätischen Sinai, erinnerte. Hierauf sprach Salomo die folgenden
Worte:
»Jahve (der Du gesagt), Du wollest im Dunkeln wohnen,
nun habe ich ein Haus gebaut zur Wohnung für Dich,
eine Stätte zu Deinem Wohnsitz für ewige Zeiten« (/. Könige, 8, 12—13).
Die Feier schloß mit einer Opferdarbringung auf dem neuen Altan
Wunderbar erschien dieses Ereignis den Zeitgenossen, und noch mehr
wurde es von der Phantasie der Nachwelt ausgeschmückt, die die
historische Bedeutung des in Jerusalem errichteten religiösen Mittel
punktes bereits voll zu ermessen vermochte.
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