Volltext: Die orientalische Periode in der Geschichte des jüdischen Volkes (1 ; 1937)

§ 7- Das Großkönigtum Davids (um 1010—yyo) 
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»Juda, dich, dich werden preisen deine Brüder, 
Es packt deine Hand das Genick der Feinde, 
Vor dir werden sich beugen die Söhne deines Vaters« (Genesis, 49, 8). 
Das Bezeichnendste für das gesamte Staatsleben zur Zeit Davids 
ist das Vorherrschen militärischer Interessen. Die Hauptsorge des 
Königs galt dem schon von Saul geschaffenen stehenden Heer, dessen 
Kern die königliche »Gibborim«-Garde bildete. In Kriegszeiten 
mußte überdies jeder Stamm eine bestimmte Anzahl kampffähiger 
Männer für die Volkswehr aufbieten, wobei die »Gibborim« den 
Oberbefehl über die einzelnen Truppenteile führten. Auch auf dem 
Gebiete der inneren Verwaltung trat ein gewisser Fortschritt zutage. 
Es wurden oberste Staatsämter eingerichtet: das eines Staatssekretärs 
(»Maskir«), eines Staatsschreibers (»Sofer«) und eines persönlichen 
Ratgebers des Königs (»Joez«). Ferner standen dem König zwei 
»Propheten«, Gad und Nathan, zur Seite, die bei der Entscheidung 
religiös-sittlicher Fragen die höchste Instanz darstellten. Wichtigere 
Rechtsstreitigkeiten wurden von David selbst entschieden, der sich 
dabei nicht selten von den primitiven Normen des geltenden Ge 
wohnheitsrechts leiten ließ. So konnte er nicht umhin, den Gibeo- 
niten, die von Saul im Widerspruch zu einem alten Gelöbnis der 
Israeliten fast restlos vernichtet worden waren (oben, § 6), das Recht 
einzuräumen, nach der Sitte der Blutrache die noch am Leben ge 
bliebenen Nachkommen Sauls umzubringen; nur der kränkliche, 
unter dem persönlichen Schutz des Königs stehende Sohn Jonathans, 
Meribaal, entging dem Verderben. 
Den im israelitischen Reiche ansässigen Fremden gegenüber ver 
hielt sich David durchaus tolerant. Zu seinem Heere gehörte sogar 
eine besondere, »Krethi und Plethi« genannte Söldnertruppe, die 
ganz aus Fremden, aus Kretern und Philistern, bestand. Die Folge 
solcher Duldsamkeit war, daß die kanaanitischen Völkerschaften 
nach und nach in Israel aufgingen und die israelitische Bevölkerung 
zahlenmäßig stark zunahm. Eine von David zu militärischen Zwek- 
ken veranstaltete Volkszählung soll die Zahl von 1,300.000 kampf 
fähigen Männern ergeben haben, was auf eine Gesamtbevölkerung 
von etwa sechs Millionen Seelen schließen läßt; nicht weniger als 
ein Drittel davon soll dem Stamme Juda angehört haben. 
Wie in allen Staaten des Orients hing das innerpolitische Leben 
auch im israelitischen Reiche nicht zuletzt von den Verhältnissen 
innerhalb der königlichen Familie ab. Die herrschende, auch für
	        
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