§ 7- Das Großkönigtum Davids (um 1010—yyo)
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»Juda, dich, dich werden preisen deine Brüder,
Es packt deine Hand das Genick der Feinde,
Vor dir werden sich beugen die Söhne deines Vaters« (Genesis, 49, 8).
Das Bezeichnendste für das gesamte Staatsleben zur Zeit Davids
ist das Vorherrschen militärischer Interessen. Die Hauptsorge des
Königs galt dem schon von Saul geschaffenen stehenden Heer, dessen
Kern die königliche »Gibborim«-Garde bildete. In Kriegszeiten
mußte überdies jeder Stamm eine bestimmte Anzahl kampffähiger
Männer für die Volkswehr aufbieten, wobei die »Gibborim« den
Oberbefehl über die einzelnen Truppenteile führten. Auch auf dem
Gebiete der inneren Verwaltung trat ein gewisser Fortschritt zutage.
Es wurden oberste Staatsämter eingerichtet: das eines Staatssekretärs
(»Maskir«), eines Staatsschreibers (»Sofer«) und eines persönlichen
Ratgebers des Königs (»Joez«). Ferner standen dem König zwei
»Propheten«, Gad und Nathan, zur Seite, die bei der Entscheidung
religiös-sittlicher Fragen die höchste Instanz darstellten. Wichtigere
Rechtsstreitigkeiten wurden von David selbst entschieden, der sich
dabei nicht selten von den primitiven Normen des geltenden Ge
wohnheitsrechts leiten ließ. So konnte er nicht umhin, den Gibeo-
niten, die von Saul im Widerspruch zu einem alten Gelöbnis der
Israeliten fast restlos vernichtet worden waren (oben, § 6), das Recht
einzuräumen, nach der Sitte der Blutrache die noch am Leben ge
bliebenen Nachkommen Sauls umzubringen; nur der kränkliche,
unter dem persönlichen Schutz des Königs stehende Sohn Jonathans,
Meribaal, entging dem Verderben.
Den im israelitischen Reiche ansässigen Fremden gegenüber ver
hielt sich David durchaus tolerant. Zu seinem Heere gehörte sogar
eine besondere, »Krethi und Plethi« genannte Söldnertruppe, die
ganz aus Fremden, aus Kretern und Philistern, bestand. Die Folge
solcher Duldsamkeit war, daß die kanaanitischen Völkerschaften
nach und nach in Israel aufgingen und die israelitische Bevölkerung
zahlenmäßig stark zunahm. Eine von David zu militärischen Zwek-
ken veranstaltete Volkszählung soll die Zahl von 1,300.000 kampf
fähigen Männern ergeben haben, was auf eine Gesamtbevölkerung
von etwa sechs Millionen Seelen schließen läßt; nicht weniger als
ein Drittel davon soll dem Stamme Juda angehört haben.
Wie in allen Staaten des Orients hing das innerpolitische Leben
auch im israelitischen Reiche nicht zuletzt von den Verhältnissen
innerhalb der königlichen Familie ab. Die herrschende, auch für