Full text: Drama und Theater in Österreich ob der Enns bis zum Jahre 1803

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Wie sehr Scholz durch sein Reformwerk vielen Linzern ins 
Fleisch geschnitten, geht deutlich aus der Klage hervor, in die 
der Redakteur des „Lachenden“, einer kurzlebigen satirischen Linzer 
Zeitschrift vom Jahre 1777, ein Linzer Fräulein ausbrechen läßt: 
Sie sei, hebt sie an, mit Mama zwar einige Male im Schauspielkause 
gewesen, finde aber gar keine Freude daran, weil so viele ungesittete Leute 
darin anzutreffen seien, welche verlangten, daß unter dem Spiele alles still 
sein und ein munteres Frauenzimmer nicht einmal verständlich reden solle, 
widrigenfalls sie gleich ein, ungetümes Pst! erschallen ließen. 
Zudem könne sie bei 
einem Trauerspiele die Zeit 
nicht recht treffen, wann sie 
weinen solle; sie bedauere 
derohalben die Ausschlies¬ 
sung des Hanswurstes und 
Bernardons; da habe sie 
lachen können, wann sie 
wollte. 
Seit der bedauerns¬ 
würdigen Abschaffung des 
Hanswurstes pflege sie das 
Schauspielhaus sehr selten 
zu betreten. 
Edmunda Scholz als Medea. 
Unter dieser Sa¬ 
tire verbirgt sich die 
wahre Stimmung. So 
dachten viele Linzer. 
Scholz hatte auch den 
Unfug des lauten Redens 
und ungenierten Be¬ 
nehmens im Theater mit 
Erfolg abgestellt, allein 
nach seinem Weggange 
begann die alte Theater¬ 
misere wieder. 
(Nach einem Stiche aus dem Jahre 1783 in der „Anjetzo, klagt der 
Wiener Hof bibliothek.) Lach ende“ im Jahre 
1777, ist es eben bey nahe 
so toll wie damals; eine Menge ungesitteter Knaben und Mägdchen — leider 
muß man auch hinzusetzen — Männer und Frauen sind fast alltäglich*) im 
Schauspielhause anzutreffen, welche sich allein zu seyn dünken und mit ihrem 
2) An den Normatagen, die für Oberösterreich mit Zirkulare vom 
21. Jänner 1752 geregelt wurden, im Advent und in der Fastenzeit war das 
Theater geschlossen. Sonst wurde drei- bis viermal in der Woche gespielt.
	        

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