überwinde ihn!" Seht, so spricht heute der Gott, der in
allem Geschehen zu uns kommt und leiht der Einzelseele ihre
Krone. * *
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Das zeigt sich nicht nur beim Tun, sondern auch beim
Äören. Gesicht und Gehör gewinnen heute an Bedeutung.
Man lauert, man horcht, man lebt mit den äußeren Sinnen,
eben darum ist man auch mehr Sinnestäuschungen aus-
gesetzt. Es geht uns wie der Wache im Feld. Wenn jetzt
der Mond so hell ins Gefilde hereinscheint, dann muß ich
an die denken, die draußen stehen und auf jedes Geräusch
achten, hinter jedem Busch und Baum etwas Gefahr-
drohendes vermuten und doch ihre Ruhe bewahren, um die
Ruhe der andern zu sichern. Solche Wachtposten müssen
wir alle sein, auch hier im Frieden. Wir sind das elende,
niederdrückende Gefühl der ersten Tage losgeworden, von
allen Seiten verraten zu werden und von Spionen umgeben
zu sein. Wir trauen einander. Aber einem gegenüber gilt
es, seine Einzelseele stark zu machen: vor dem Gerede, Ge¬
schwätz und Getue. Auch hier wächst wieder der Einzelne
und darf wachsen: er muß Auswahl halten zwischen allen
den Gerüchten, er muß sicher treffen, was haltbar ist, und
abschütteln, was fremde List oder törichte Begeisterung oder
berechnender Egoismus in die Welt gesetzt haben. Äier
erprobt sich erst recht die Tüchtigkeit der Einzelseele. Sie
muH sich durcharbeiten durch die Last dessen, was über sie
hereinfällt an Vermutungen, Verleumdungen, Entsetzlich-
leiten. Aber auch das alles geschehe mit frohem Mut I Es
gibt heute nur wenig Leute, die aus Böswilligkeit handeln;
die meisten Mißgriffe kommen aus Nervosität. Keiner
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