Full text: Eine Sammlung ausgewählter oberösterreichischer Dialectdichtungen [1]

Sylvester Wagner 
geboren am 3)(. December j(807 zu fjenborf, gestorben am ^0. Vctober 
\865 ebendaselbst. Der Sohn eines Zimmermeisters, trat er nach Absol 
vierung des Salzburger Gymnasiums hauptsächlich auf Wunsch seiner 
Mutter ins Priesterseminar daselbst, verließ es aber bereits nach Jahres 
frist und studierte in Wien unter den größten Entbehrungen anfänglich 
Ehirurgie, später wählte er unter der eifrigen Förderung Littrows Astro 
nomie als Studium, vor Ausbruch der Revolution des Jahres J8^8 
war er bereits an der wiener Sternwarte auf die Empfehlung feines 
großen Lehrers hin in Verwendung. Die Ereignisse des Jahres j[8^8, 
an denen Wagner lebhaften Antheil nahm, zwangen ihn zur Flucht. 
Anfänglich lebte er in Sendorf in Verborgenheit, nach erfolgter Amnestie 
erhielt er daselbst die Stelle eines Gemeindeschreibers mit einem jährlichen 
Einkommen von oft kaum j(00 st.! Trotz der Nothlage, in der er sich 
befand, verehelichte sich Wagner und wurde Vater zweier Rinder. In 
sein trauriges Dasein kam nur hie und da ein Lichtblick durch den Besuch 
früherer Freunde, unter denen Stelzhamer war, und die werkthätige Unter 
stützung der wackeren Frau Moser, Brauerin zu Mendorf. Ab und zu 
kamen auch einige Studenten zu Besuch. So vergiengen die Jahre. Wagner 
hatte sich frühzeitig poetisch versucht, ein Band seiner Dichtungen erschien 
noch H8H7 bei L. Haas in Wien. Ein großer Theil seiner hinterlassenen 
Manuscrixte scheint verloren gegangen zu sein. 
Wagner war ein Freund Stelzhamers noch von dessen Universitäts 
zeit her, doch keine so harmlose Natur, wie dieser. Er konnte in heiligem 
Zorn gerathen, wenn er, der Freiheitskämpfer, von Thaten der Willkür 
und Unterdrückung hörte oder sprach, mochten sie nun wo und von wem 
immer geschehen. Manche seiner Gedichte sprechen dies in unzweideutigster 
weise aus. Dieselben, allerdings der ersten, glücklicheren Periode seines 
Lebens entstammend, sind zumeist heiter, von gesundem fjumor, der die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.