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Soldaten geflossen; die zur Bespannung brauchbaren Pferde nahm
man kurzweg aus den Ställen; die Bewohner des flachen Landes
mußten ihr Hab und Gut in feste Plätze bringen. Die Straßen
in ganz Bayern waren mit Wägen, Männer, Weibern und
Kindern bedeckt; ganze Landstrecken waren entvölkert, und sahen
einer Heide gleich; alles drängte dem Inn zu. Die Wuth der
durch Hunger aufgestachelten Soldaten wurde hiedurch um so
größer, und das Elend um so furchtbarer, als der Krieg von
dem Kaiser und Churfürsten unglücklich geführt wurde. Die
vereinigte kaiserliche und churfürstliche Armee mußte sich an die
Isar und dann an den Inn zurückziehen. Der Feind folgte auf
dem Fuße nach, alles verwüstend und verheerend.
So viel wurde verhindert, daß die Schweden nicht über
dm Inn setzen konnten; dafür ergossen sie sich in das Rotthal,
und standen dort sengend und kennend vom 28. Juni bis
22. Juli. Endlich erschien der kaiserl. General Piccolomini nach
langen Kreuz- und Querzügeu mit 12.000 Mann Kaiserlichen
und 10.000 Bayern auf der Königswiese bei Schärding; am
26. Juli standen sich die feindlichen Heere auf der Königswiese
gegenüber und man erwartete täglich eine Feldschlacht; doch die
Schweden zogen zur Isar zurück, die Kaiserlichen rückten ihnen
nach ; int Oktober verließen die Schweden Bayern gänzlich; denn
am 15. Oktober war der sogenannte westp h älis'ch e Friede
abgeschlossen worden.
Aber noch war damit das Ende der Drangsale nicht an¬
gebrochen ; denn da bie Schweden das Land zwischen der Isar
und dem Inn furchtbar verwüstet hatten, ging auch die E r n t e
des Jahres 1648 zu Grunde. Da die Einwohner alle aus der
Flucht waren, nahmen entweder die feindlichen Reiter, was
herrenlos dastand, oder es mußte das Getreide auf der Wurzel
verfaulen. Allein nicht nur die Ernte des I. 1648 ging gänzlich
verloren, sondern es entschwand auch die Hoffnung des künftigen
Jahres, weil es an Händen zum Pflügen unb Säen fehlte.
Selbst in jenen Gegenden, welche der Feind nicht berührte, sah
es mit der Ernte gar spärlich aus. Durch zwei volle Monate,
Juni unb Juli, fiel ber Regen fast unausgesetzt in Strömen;
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