Full text: Die Lehren des Krieges [1]

In dem reinigenden Kampfe gegen den Völkerhaß hat 
unsere Monarchie durch ihre reiche nationale Zusammensetzung 
eine besondere Aufgabe. Durch die Deutsch-Österreicher mit 
Deutschland unlöslich verbunden, hat sie durch unsere Slaven 
vermittelnde Beziehungen zum russischen Volke und den slavi¬ 
schen Balkanvölkern, und wenn wir unsere Rumänen und unsere 
Italiener— die unser bleiben sollen! — gerecht zu behandeln 
wissen und wenn das Schicksal es will, so werden wir durch sie die 
Brücke zu einem befreundeten Rumänien und zu einem wieder¬ 
befreundeten Italien haben. Unser Streben nach nationaler 
Gerechtigkeit hat uns bisher wenig Gutes gebracht, es hat 
uns im Innern schwach gemacht und im Ausland Mißachtung 
eingetragen. Vielleicht bringt uns die Zukunft den Lohn 
unserer Bemühungen. Wenn nach dem Kriege durch die 
Welt ein Ringen um nationale Gerechtigkeit geht, dann 
werden wir die Lehrmeister Europas sein können. Es ist 
dabei von besonderer Bedeutung, daß wir mit England und 
Frankreich nicht in unmittelbarem Kampfe stehen. Wir 
werden hievon in Zukunft manchen Vorteil haben, weil 
die Woge des Hasses, die sich von diesen Völkern gegen 
Deutschland wendet, uns nicht im gleichen Maße trifft. Wir 
haben daraus aber auch eine Pflicht abzuleiten, die Pflicht, 
zwischen Deutschland und seinen Feinden in Westen, nament¬ 
lich seinen germanischen Stammesbrüdern in England wieder 
eine Vermittlung anzubahnen. 
Der reinigende Kampf gegen den Völkerhaß soll nicht 
erst nach dem Kriege beginnen. Er ist am wichtigsten heute, 
wo das Gefühl am stärksten erregt ist. Das Böse, das sich 
im Gemüt einmal eingenistet hat, ist aus ihm kaum mehr 
ohne Rest zu tilgen. Achten wir Tag für Tag darauf, daß 
uns die Leidenschaft niemals vom schmalen Pfade des Rechtes 
stoße! Unser Kampf soll gerecht bleiben, wie er es im 
Anfang gewesen ist. Gerechtigkeit ist eine große Hilfe, keiner 
von den Kriegführenden will sie entbehren, Freund und 
Feind flehen zu Gott und alle wiegen sich im Vertrauen, 
daß er ihnen seinen Beistand leihe. In dieser Rechnung 
35
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.