Full text: Von Dante zu d'Annunzio

Cüiener Fasching 
„Europa“ schreibt ein Ttlitglicd des Cüiener Kongress „bat 
den Glanz seiner Cbrone und Böse, das Machtansehen seiner Staaten, 
die Spitze seiner politischen und militärischen üerberrlichung, die 
höchste Bildung seiner Geselligkeit, ja die reichsten Blüten aller üor- 
nebmbeit, Schönheit, der Kunst und des Geschmackes hierher geliefert.“ 
3n der Cat war in jenen Monaten so ziemlich alles in Cüien ver¬ 
sammelt, was mit Kocht oder mit Unrecht, im Guten oder im Schlimmen 
einen europäischen Hamen besah. Unter den Potentaten, die sich ein¬ 
gefunden hatten, befanden sich zwei Kaiser und vier Könige, deren 
Cätigkeit in einem Bonmot, das damals umlief, folgendermaßen über¬ 
sichtlich zusammengefaßt wurde: „Der Kaiser von Rußland liebt für 
alle, der König von Preußen denkt für alle, der König von Dänemark 
spricht für alle, der König von Bayern trinkt für alle, der König von 
(üürttemberg frißt für alle und der Kaiser von Österreich zahlt für 
alle.“ Daneben waren eine Menge kleinerer Regenten erschienen, da¬ 
runter Karl Jsugutt von CUeimar; und um sie herum die Beautes und 
die Berühmtheiten: Erzherzog Karl und Cüellington, Stein und Bar¬ 
denberg, Metternich und Calleyrand, Gentz und Bumboldt, Dannecker 
und Zacharias CUerner, kurz alles, was es gab, bis zu der „göttlichen“ 
Bigottini, die im Nebenberuf für Calleyrand Borchdienste betrieb, und 
dem guten Uater Iahn mit dem langen Demokratenbart und den dicken 
schmutzigen Stiefeln. 
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