Full text: Die Kriegführung im Sommer und Herbst 1917. Die Ereignisse außerhalb der Westfront bis November 1918. (13. 1942)

Erster Teil. 
I Die Entwicklung der Gesamtlage 
im Sommer J 
A. Auffassung der Obersten Heeresleitung Ende Juni. 
Die Angriffskraft des französischen Heeres hatte sich an der Aisne «»d«g»»i. 
und in der Champagne erschöpft; sein innerer Halt schien erschüttert. Wie 
sich das weiterhin auswirken würde, stand dahin. Fürs erste waren von 
diesem Heere nur Teilangrisse zu erwarten. Das englische Heer hatte sein 
Ziel bei Arras nicht erreicht, dann aber durch Wegnahme des Wytschaete- 
Bogens einen weithin sichtbaren Erfolg errungen und die Grundlage ge¬ 
schaffen für die seit langem geplante Offensive gegen die deutschen Un¬ 
terseebootsstützpunkte in Flandern. Hierfür standen ihm trotz der schweren 
Verluste der bisherigen Kämpfe noch recht erhebliche Kräfte zur Ver¬ 
fügung; mit baldigem Beginn seiner neuen Offensive mußte gerechnet 
werden. Alle Anstürme der Italiener waren vom österreichisch-ungarischen 
Heere aus eigener Kraft abgewehrt worden. Auch die Lage am Balkan 
und an den Fronten der Türkei bot keinen Anlaß zu unmittelbarer Be¬ 
sorgnis. Die Hoffnung aber, durch Mittel der Propaganda zur Waffen¬ 
ruhe mit Rußland zu kommen, war enttäuscht worden; Kriegsminister 
Kerenski schien die Truppen wieder soweit in der Hand zu haben, daß 
ein neuer russischer Ansturm möglich war. 
Das deutsche Feldheer war nach den schweren Abwehrkämpfen des 
Frühjahrs erheblich geschwächt, wenn es auch zahlenmäßig wieder aus¬ 
gefüllt war. Mannschaftsersatz und Munitionsfertigung reichten im Westen 
aber nur zur Abwehr aus. Die Verpflegung war knapp. Bis in den 
Juni hinein hatte die Oberste Heeresleitung damit gerechnet, daß die 
hohen bisherigen Versenkungszifsern des Unterseekrieges England, die 
Seele des feindlichen Kriegswillens, noch im Laufe des Sommers zum 
Nachgeben bringen würden. Ähnliche Erwartungen erfüllten das deutsche 
Volk. Bald aber war es zweifelhaft geworden, ob die Hoffnung auf so 
rasche Wirkung berechtigt sei, ob nicht inzwischen der Winter herankommen 
werde, vielleicht sogar das Jahr 1918*). Daß man sich zu Lande, wenn die 
*) Vgl. Schreiben der O. H. L. an das Kr. Min. (S. 30) sowie Bd. XII, S. 2. 
Weltkrieg. XIII. Sb. i
	        
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