Full text: Die Kriegführung im Sommer und Herbst 1917. Die Ereignisse außerhalb der Westfront bis November 1918. (13. 1942)

Betrachtungen zur Offensive in Rumänien und den Karpaten. IAH 
Front der Mittelmächte beiderseits des feindlichen Einbruchs im Soveja- 
Decken bis zu zwölf Kilometer vorgeschoben und dadurch der Gegner ver¬ 
anlaßt wurde, den größeren Teil des Ende Juli gewonnenen Raumes 
wieder aufzugeben. Mehr war mit den verfügbaren Mitteln bei aller 
Tapferkeit der angreifenden Truppen wohl nicht zu erreichen gewesen. 
Alles in allem war die örtliche Lage taktisch um einiges gebessert. Der 
erstrebte operative Erfolg war aber ausgeblieben. Die Rumänen rechneten 
sich ihren in der „Schlacht bei Marasesti" gegen deutsche Truppen ge¬ 
leisteten Widerstand sogar als „Abwehrsieg" an. In Wirklichkeit aber hatte 
ihre für den Angriff ausgebildete und neu ausgerüstete Armee einen 
so schweren Schlag erhalten, daß sie jeden Gedanken an Offensive endgültig 
aufgeben mußte. 
D. Die Offensive im Baltikum. 
Der Gedanke einer Operation gegen Riga und die den Rigaschen 
Meerbusen abschließenden Inseln war bereits im Sommer 1915 sowie im 
darauffolgenden Winter und Frühjahr erörtert worden*). Der Ober¬ 
befehlshaber Ost, damals noch Generalfeldmarschall von Hindenburg mit 
General Ludendorfs, sowie der Admiralstab waren dafür eingetreten, 
auch General von Falkenhayn war nicht abgeneigt gewesen, aber die er¬ 
forderlichen Landstreitkräfte waren einstweilen nicht verfügbar. Das änderte 
sich auch nicht, als die neue Oberste Heeresleitung den Plan im De¬ 
zember 1916 wieder aufnahm. Immerhin hatte der Oberbefehlshaber 
Ost nunmehr einen „Angriffsentwurf zur späteren Wegnahme von Riga" 
vorzulegen. An eine weitergehende Operation, etwa aus Petersburg, war 
dabei nicht gedacht. Doch hielt der Oberbefehlshaber Ost eine gleichzeitige 
Unternehmung zusammen mit der Marine gegen die Insel Osel für wichtig. 
Nach den Winterkämpsen an der Aa2) begannen unter dem Decknamen 
„Nordabwehr" die Vorarbeiten für den Angriff gegen Riga. Von Mai 1917 
ab wurde gemeinsam mit der Marine auch die Wegnahme der baltischen 
Inseln besprochen und vorbereitet. General Ludendorff betonte dabei, 
daß dieses Unternehmen, zu dem erhebliche Seestreitkräfte herangezogen 
werden mußten, nur in Frage komme, wenn die Wirkung des Untersee¬ 
krieges dadurch nicht beeinträchtigt werde. 
Aussicht auf Ausführung beider Pläne bot sich aber erst im Anschluß an «»gast. 
die Gegenoffensive in Galizien. Als in den ersten Augusttagen klar wurde, 
*) Bd. VIII, S. 130 u. 468; Bd. X, S. 426. 
*) Bd. XI, S. 398ff.
	        
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