Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Die Juden im christlichen Spanien (XIII. Jahrhundert) 
seinem abgekürzten literarischen Namen: Nachmanides oder Ramban 
bis auf den heutigen Tag im Andenken des Volkes fortlebt. In den 
konservativen Kreisen des Judentums genoß Ramban hohes Ansehen 
als mystisch veranlagter Theologe und als Gegner des Maimonidischen 
Rationalismus (s. das folgende Kapitel). Er war es nun, den sich 
Pablo Christiani zum Gegner iji einer öffentlichen religiösen Disputa 
tion ausersehen hatte. Der Mönch verstand es, seinen Ordensbrüdern 
die Überzeugung beizubringen, daß er aus dem theologischen Streit 
mit dem Rabbiner als Sieger hervorgehen würde, und so suchten denn 
die Mönche von Gerona bei dem König die Veranstaltung einer öffent 
lichen Diskussion in der Hauptstadt Kataloniens, Barcelona, zu erwir 
ken. Ihr Anliegen wurde auch von Raimund Pennaforte unterstützt, 
der seinem königlichen Beichtkind einredete, daß der Sieg des Paulus 
über seine ehemaligen Glaubensgenossen einen Triumph des Christen 
tums bedeuten und vielleicht gar den Juden die Augen öffnen würde. 
Der König gab denn auch seine Einwilligung. Er setzte die Disputa 
tion auf den Juli des Jahres 1263 fest und sandte an „Rabbi Moses, 
den Meister der Juden von Gerona“, ein Schreiben, in dem er ihn mit 
samt seinen gelehrten Genossen zu einer religiösen Disputation einlud. 
Obwohl mit Widerwillen,, nahm Ramban die Einladung dennoch an 
und erschien an dem festgesetzten Tage in Barcelona. 
Die Disputation begann am 20. Juli 1263 und dauerte vier Tage. 
Sie fand in dem königlichen Palast, im Beisein des Königs, seiner 
Hofleute, vieler Ritter, Bischöfe und Mönche sowie einiger Gelehrter 
aus dem Gefolge des Ramban statt. Pablo Christiani ließ nun ver 
lauten, daß, obwohl die Wahrheit des Christentums über alle Zweifel 
erhaben sei, er doch zu einer Diskussion über die Dogmen der christ 
lichen Religion bereit sei, um den Juden auf Grund ihres eigenen reli 
giösen Schrifttums die folgenden vier Thesen zu beweisen: 1. Der von 
den Juden erwartete Messias sei schon längst erschienen; 2. der Mes 
sias sei, den biblischen Prophezeiungen gemäß, Mensch und Gott in 
einem Wesen; 3. der Messias hätte das Martyrium und den Tod um 
der Erlösung des Menschengeschlechtes willen erlitten; 4- alle Gesetze 
und Vorschriften der Thora hätten nach dem Erscheinen des Messias 
ihre Gültigkeit eingebüßt. Ramban war sich wohl im klaren darüber, 
welchen Gefahren der jüdische Wortführer bei der Erörterung solcher 
Fragen ausgesetzt war; je entschiedener er diese grundlosen Behaup 
tungen widerlegen würde, um so größer würde die Entrüstung ihrer 
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