Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

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§12. Die Disputation in Barcelona 
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Protektion; besonders aufreizend wirkte die von Jakob I. bekundete 
Mißachtung der Kirchenkanons, wie sie namentlich in der Beförde 
rung von Juden zu dem hohen „Bajulus“-Amt oder in ihrer Anstel 
lung als Finanzagenten zum Ausdruck kam. So fehlte es denn nicht 
an Versuchen, den König entsprechend zu beeinflussen: sein Beicht 
vater Pennaforte sowie angesehene Bischöfe gaben sich alle Mühe, 
ihren König gemäß dem für sie in Ludwig dem Heiligen verkörper 
ten idealen Herrschertypus umzumodeln, doch konnte Jakob I., dem 
Baumeister eines neuen Reiches, sein französischer Nachbar, der durch 
blinde Kirchenpolitik seinen eigenen Staat nur untergrub, nichts we 
niger als ein Vorbild erscheinen. Immerhin blieb die klerikale Agi 
tation am aragonischen Hofe nicht ganz ohne Folgen. Gegen Ende 
seines Lebens fand sich nämlich der auf finanziellem Gebiete nach wie 
vor um die Gunst der Juden buhlende König dazu bereit, seine Sün 
den durch Gewährung mancher Konzessionen an die heiligen Väter zu 
büßen. So gestattete er den „predigenden Brüdern“, ungeachtet der 
den Gemeinden zugesicherten Religionsfreiheit, unter den Juden eine 
religiöse Propaganda zu entfalten. 
Die Dominikaner ließen es sich angelegen sein, auf ihren Schulen 
gewandte und im hebräischen Schrifttum wohl bewanderte Wort 
kämpfer auszubilden. Besonders willkommen waren ihnen Überläufer 
aus dem jüdischen Lager, die die „Verirrungen“ des Talmud und son 
stige rabbinische „Irrlehren“ zu entlarven vermochten. Ein solcher 
für die Kirche überaus wertvoller Agitator sollte schon bald nach der 
von den Dominikanern mit Beistand des Renegaten Donin erwirkten 
Talmudverbrennung (oben, § 4) auch in Südfrankreich und in Ara- 
gonien auftauchen. Aus der Provence gebürtig, hatte nämlich Paulus 
Christiani oder Bruder Pablo (fra Pablo) gleich Donin die jüdischen 
Reihen verlassen, um in die Phalanx der streitbaren Kirche, in den 
Dominikanerorden, einzutreten. Mit dem Namen des Apostels ge 
schmückt, durchzog der Renegat die Provence und Katalonien (um 
1260), forderte Rabbiner zu religiösen Disputationen heraus und 
suchte die Wahrheit der christlichen Dogmen auf Grund der Bibel 
und sogar des Talmud zu beweisen, ohne freilich auch nur den gering 
sten Erfolg zu erzielen. In der Stadt Gerona, dem Mittelpunkt der tal- 
mudischen Gelehrsamkeit, lebte um jene Zeit der weise und allgemein 
beliebte Rabbiner Moses ben Nachman, dessen spanischer Name (Bo- 
nastrug de Porta) längst in Vergessenheit geraten ist, der aber unter
	        
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