Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

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§10. Aragonien unter Jakob I. 
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diese Geschäfte in geregelte Bahnen zu lenken. Seit dem Jahre 1228 
war in Aragonien ein von dem König, den Adelscortes und den 
Kirchenkonzilen mehrmals bestätigtes Gesetz in Kraft, wonach die 
Höhe des von den jüdischen Geldgebern geforderten Zinsfußes zwan 
zig Prozent pro Jahr nicht übersteigen durfte. Bei Abschließung der 
Kreditgeschäfte hatten die Notare darauf zu achten, daß dieses Ge 
setz nicht durch Einkalkulierung des Zinsgewinnes in das geschuldete 
Kapital umgangen werden sollte, wie dies bei christlichen Wucherern 
(z. B. bei den italienischen „Lombarden“) gang und gäbe war. In 
manchen Gegenden mußten sich die christlichen Gläubiger mit 
einem Zinsfuß von zwölf Prozent bescheiden, während die Juden volle 
zwanzig Prozent beanspruchen durften. Die Übertretung dieses Ge 
setzes wurde durch Einziehung der gesamten Schuldsumme bestraft, 
von der die eine Hälfte dem königlichen Schatz zufiel, die andere dem 
Schuldner zugute kam. Der König hatte das Recht, in die jüdischen 
Finanzoperationen entscheidend einzugreifen: er konnte nach Gut 
dünken entweder die Begleichung der Schuld stunden oder aber den 
Schuldner zu pünktlicher Rückzahlung nötigen. Es bedarf kaum der 
Erwähnung, daß der König dieses Recht zu seinem eigenen Vorteil 
auszunützen wußte, indem er diejenigen Finanzmänner, die ihm selbst 
günstige Kreditbedingungen bewilligten, tatkräftig unterstützte und 
ihnen sogar die Übertretung des Zinsgesetzes gnädigst nachzusehen 
pflegte. Zur Sicherung der bei den reichen Juden aufgenommenen 
Anleihen stellte ihnen Jakob I. nicht selten die Steuereinkünfte ir 
gendeines Bezirkes oder einer jüdischen Gemeinde zur Verfügung. So 
kam es häufig vor, daß die jüdischen Gemeinden (Aljama) den Gläu 
bigern des Königs dessen Schulden zurückzahlen mußten, wie dies 
aus den Urkunden jener Zeit zu ersehen ist, in denen viele solche Ab 
rechnungen zwischen König und Gemeinden zu finden sind. Zuweilen 
schossen die Gemeinden selbst die erst zu einem späteren Termin fäl 
ligen Steuersummen dem König vor, und so verwandelten sich die 
Gemeindekassen im Laufe der Zeit in Banken zur Finanzierung des 
Königs und des Infanten. Als Kompensation für diese in Zeiten 
größter Geldverlegenheit gewährten Vorschüsse verlieh ihnen der Kö 
nig weitgehende Freiheiten oder setzte von früher her bestehende 
Rechtsbeschränkungen außer Kraft. Auf diese Weise wurden jüdische 
Kreditoperationen, Personal- und Gemeindesteuerlasten mit den kö 
niglichen Anleihen in einen einzigen festen Knoten verknüpft.
	        

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