Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Das französische Zentrum und die englische Kolonie 
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neuem 
den vor allem als die finanzielle Macht, die der Krone in ihrem völkeri 
Kampfe gegen den Landadel stets zur Seite stand. Überdies nahmen ^ ^ 
die kleinen Gutsbesitzer unter den Baronen die Dienste der jüdischen nicht < 
Geldgeber nur zu häufig selbst in Anspruch, indem sie diesen ihre 
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Ländereien verpfändeten; wenn dann der Zahlungstermin kam, er- au j? 
blickte der leichtsinnige und sorglose Schuldner hinter dem Rücken 0( j er p 
seines demütigen Gläubigers plötzlich die drohende Gestalt des im sprach 
Interesse des königlichen Schatzes an den Ernst der Verpflichtung c j ien 
gemahnenden Beamten. Im Falle des Todes des Gläubigers oder der triebei 
Einziehung seines Vermögens fiel aber die Forderung zum Teil oder cenz’ ] 
ganz direkt an den König, und dann wurde die Schuld mit besonderer terbur 
Härte beigetrieben. Dies der Grund, weshalb die Barone während der a p e 
Massenausschreitungen gegen die Juden vor allem danach trachteten, un( j y 
in den Häusern ihrer Gläubiger die Schuldverschreibungen zu ver- 
nichten. Was schließlich den katholischen Klerus anlangt, so war er breitel 
dem Judentum gegenüber von vornherein feindselig eingestellt, ins- Erricl 
besondere seit der Zeit, da der Papst Innocenz III. und die Lateran- y ( 
synode vom Jahre 1215 dem jüdischen Volke das Kainszeichen aufge- von ^ 
drückt hatte. Und doch hatten die Juden von allen diesen feindlichen Gerne 
Mächten noch immer weniger als von ihrem „Beschützer 4 * und Vor- der £ 
mund, dem König selbst, zu leidenj der seine Mündel unbarmherzig [ n Q e 
aussaugte und diesen Hörigen des Handels nur zu dem Zwecke zu bedro 
Wohlstand verhalt, um sie dann um So besser ausplündern zu können; äußer 
nicht einmal zur Zeit der Volksexzesse durften sie mit Sicherheit auf HinsL 
seinen Beistand rechnen. So war denn die Lage der Juden unter all seinei 
diesen sich gegenseitig befehdenden sozialen Mächten derart, daß sie (dom 
mit vollem Recht hätten ausrufen können: „Gott schütze uns vor un- Fang 
seren Freunden, vor unseren Feinden werden wir uns selbst schüt- lichei 
zen!“ Der letzte Grund der jüdischen Tragödie in England lag eben Köni{ 
in der königlichen „Protektion“, darin, daß eine von Wölfen einge- Kircl 
schlossene Herde einem gierigen Hirten anvertraut war, der selbst gezwi 
seine Schafe nur zu gern abschlachtete. neber 
In den ersten Regierungsjahren Heinrichs III., als infolge seiner dachl 
Minderjährigkeit den Staat eine Regentschaft lenkte, machten sich J< 
Anfänge zu einer gewissen Milderung des auf die Juden von oben aus- gesch 
geübten Druckes bemerkbar. Vor allem befreite man die unter Johann Gelü: 
eingekerkerten jüdischen Restanten. Ferner wurde die von ihrem wurd 
Urheber selbst mit Füßen getretene Charte vom Jahre 1201 von
	        

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