Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Anhang 
der hier dargestellten Epoche gewidmet ist (Dor dor we’dorschow, 
Band Y, Wien 1891). Die bekannten Werke von Joel, Guttmann und 
Neumark ergänzen den die mittelalterliche jüdische Philosophie betref 
fenden Abschnitt der Literaturgeschichte, der auch in der allgemeinen 
Geschichte von Graetz einen überaus ansehnlichen Platz einnimmt 
Dem Altmeister unserer Historiographie gebührt rückhaltlose Aner 
kennung: die das späte Mittelalter behandelnden Teile des großen Wer 
kes von Graetz und insbesondere der achte Band in der verbesserten Auf 
lage von 1890 stehen auch heute noch in mancher Hinsicht auf der Höhe 
der wissenschaftlichen Kritik. Die diesem Bande beigegebenen Noten, die 
nahezu den vierten Teil seines Gesamtumfanges beanspruchen, bilden nach 
wie vor den Ausgangspunkt für die Erforschung der umstrittenen 
Punkte dieser Periode. In den letzten Jahrzehnten wendete sich die 
Aufmerksamkeit der Geschichtsschreiber, dank den in der Genisa ge 
machten Entdeckungen, in immer steigendem Maße dem mittelalterlichen 
Orient zu. Für die Geschichte des mittelalterlichen Okzidents war von 
besonderer Wichtigkeit die Entdeckung der erwähnten aragonischen Ak 
ten, die über die Autonomie der jüdischen Gemeinden und über ihre 
politische Rolle in Spanien neues Licht verbreiteten. Neue Ausblicke er- 
öffneten sich dank den Forschungen von Scherer, G. Caro und anderen 
auch in der sozial-wirtschaftlichen Geschichte. Außerdem ist manches, 
wie wir gesehen haben, in jüngster Zeit auf dem „exotischen“ Gebiete 
der Geschichte der polnischen Juden geleistet worden, für deren Dar 
stellung Graetz nur ein sehr unzulänglicher Stoff zur Verfügung stand. 
All dies kann uns, im Zusammenhang mit dem Wandel der allgemeinen 
Auffassung der jüdischen Geschichte, von dem Verlauf des geschichtlichen 
Prozesses im späten Mittelalter eine viel klarere Vorstellung vermitteln. 
5o3
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.