Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Anhang 
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der Öffentlichkeit übergeben (L. Finkeistein, Jewisb Selfgovernment in 
the middle ages, 1924). Den Regesten sind noch die den synagogalen 
Memorbüchern verschiedener deutscher Städte entnommenen Märtyrer 
register (Salfeld, Martyrologium des Nürnberger Memorbuches, Berlin 
1898) sowie die einschlägigen Stücke aus der synagogalen Poesie zuzu 
zählen, die in der Sammlung „Sefer ha’demaoth“ von S. Bernfeld, Berlin 
1924, zu finden sind. 
2. Chronographie 
Die unmittelbare Vorgängerin der Historiographie, die mittelalterliche 
Chronographie, gewährt dem jüdischen Geschichtsschreiber nur einen über 
aus unzuverlässigen Stützpunkt. Von den zwei obenerwähnten Chroniken 
gebührt dem Buche „Schebet Jehuda“ als dem den Ereignissen des XV. 
Jahrhunderts näher stehenden der Vorrang. Seinem Verfasser, Salomo ihn 
Verga, standen, wie es scheint, dem Familienbesitz entstammende Auf 
zeichnungen sowie Bruchstücke später verschollener Annalen zur Ver 
fügung und überdies hatte er eine der größten geschichtlichen Tragödien, 
die Vertreibung aus Spanien und die darauffolgenden Wanderungen, per 
sönlich miterlebt. Nach einer Vermutung von Graetz (Band VIII, Note 1) 
soll der Verfasser vieles dem uns nicht erhalten gebliebenen Martyrologium 
des Profiat Duran: „Sichron ha’schmadoth“ entnommen haben. Isidore 
Loeh beurteilte das Buch als ein Gemisch von Geschichte und volkstüm 
lichen Legenden („Le folk-lore juif dans la chronique du Schebet Jehuda 
d’ibn Verga“, REJ., t. XXIV). Jedenfalls vermag diese um die Mitte des 
XVI. Jahrhunderts zuerst im Druck erschienene, in der Form einer Chro 
nik abgefaßte Sammlung von geschichtlichen Erzählungen, ungeachtet 
Ihres hohen literarischen Wertes, dem Geschichtsschreiber sogar auf dem 
von ihr bevorzugten Gebiete des Martyrologiums nur überaus unsichere 
Anhaltspunkte zu bieten; die geschichtliche Wahrheit will hier erst durch 
behutsame Kritik herausgeschält sein. Zuverlässigen Quellen scheint nur 
jene Reihe von Aufzeichnungen entnommen zu sein, die sich vornehmlich 
auf das letzte Jahrhundert des jüdischen Spanien beziehen (1891—1497) 
und in der Darlegungsweise jede Rhetorik vermeiden. Die quellenkritische 
Durchleuchtung des „Schebet Jehuda“ ist noch weit von ihrem Abschluß 
entfernt (zu erwähnen ist in diesem Zusammenhänge die jüngst erschie 
nene Arbeit von F. Baer, Untersuchung über Quellen und Komposition 
des Schebet Jehuda, Berlin 1923), und viele Nachrichten dieser Chronik 
könnten allein durch Entdeckung anderer aus jener Zeit stammender Auf 
zeichnungen geschichtliche Bestätigung finden. Die in zweiter Linie in 
Betracht kommende Chronik des Joseph haKohen: „Emek ha’bacha“, die 
über das XVI. Jahrhundert mehr oder weniger authentische Nachrichten 
enthält, vermag für die vorhergehende Epoche gleichfalls erst nach sorg 
fältigster Überprüfung als Quelle zu dienen (vgl. Loeh, Joseph haCohen 
et les chroniqueurs juifs, in REJ., tt. XVI—XVII, 1887—1888). Für die 
Kenntnis mancher Geschehnisse aus dieser Zeit besitzen wir wertvolle Er
	        

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