Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 67. Ägypten und Palästina 
„Vätern“ der Gemeinde, den korrupten Handlangern des Sultanats 
fiskus, bis auf das letzte Hemd ausgeplündert zu werden. 
Unter solchen Umständen vermochte Jerusalem nicht zu jenem 
geistigen Mittelpunkte des Judentums zu werden, den die Diaspora 
sich gewünscht hätte. Die vereinzelten nach dem Heiligen Lande 
ziehenden jüdischen Pilger sehnten sich danach, in der alten Heimat 
von den in den christlichen Staaten erduldeten Qualen und Demüti 
gungen auszuruhen, doch fanden sie auch hier nur ein Häuflein von 
gedemütigten und vom Elend geplagten Brüdern. Erst zu Beginn des 
XVI. Jahrhunderts, nach der Vertreibung der Juden von der Pyrenäi- 
schen Halbinsel, wandten sich wieder größere jüdische Massen najch 
Palästina. Es war dies am Vorabend des Zusammenbruchs der ägyp 
tischen Herrschaft im Lande. Über drei Weltteile breitete sich das 
Reich der osmanischen Türken aus, das zusammen mit dem christ 
lichen Byzanz auch den muselmanischen Orient verschlang. Im Jahre 
i5i7 wurde Ägypten zusammen mit Palästina dem ottomanischen 
Reiche einverleibt. Durch die sich innerhalb der Grenzen der euro 
päisch-asiatischen Türkei vollziehende Wiedervereinigung der bis da 
hin voneinander getrennten Teile der Judenheit sollte der jüdische 
Orient aus seinem Jahrhunderte währenden Schlafe jäh aufgerüttelt 
werden. 
Ende des fünften Bandes
	        

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