Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 51. Die zeitweilige Restauration (1Ü15—1U5U) 
eingeführte Kleiderordnung scheint eben der Prunksucht der Frauen 
nur wenig Abbruch getan zu haben. Das Schule und Bildung be 
treffende Kapitel machte es jeder fünfzehn Familien zählenden Ge 
meinde zur Pflicht, einen Lehrer für den Elementarunterricht anzu 
stellen, während eine vierzig Familien vereinigende Gemeinde auch 
noch eine höhere Talmudschule unterhalten mußte und die großen 
Gemeinden sogar für die Errichtung von Hochschulen („Jeschiboth“) 
Sorge zu tragen hatten. In ausführlichster Weise sind ferner in dem 
Statut Rechte und Pflichten der Rabbiner, der „Dajanim“ und sonsti 
ger von den Gemeinden zu wählender Mitglieder der Kahalverwal- 
tung geregelt. Die Konferenz von Valladolid erklärte das von ihr gut 
geheißene Statut für alle kastilischen Gemeinden auf die Dauer von 
zehn Jahren für verbindlich, so daß es erst nach Ablauf der festge 
setzten Frist von einer neuen Konferenz einer Revision unterzogen 
werden durfte. 
Die Restauration der jüdischen Gemeinden und der in dem Ver 
halten der Regierung den Juden gegenüber eingetretene Umschwung 
erfüllte die klerikale Partei mit größtem Unbehagen. Die Söhne des 
Renegaten Paul von Burgos, von denen Alfons de Cartagena auch 
den väterlichen Bischofssitz in Burgos geerbt hatte, träumten von der 
Wiederkehr der Zeiten, da die predigenden Mönche die Juden zu Tau 
senden der Kirche in die Arme zu treiben vermocht hatten. Ein schwe 
res Ärgernis war für sie die im Jahre i435 vom Papste Eugen IV. 
erlassene Bulle, die es den Missionaren untersagte, die christlichen 
Massen gegen die Juden aufzuhetzen. Bald bot sich Alfons auf dem 
großen Baseler Konzil, zu dem er aus Kastilien abgeordnet worden 
war, die Gelegenheit, die „jüdische Frage“ erneut aufs Tapet zu 
bringen, und es gelang ihm, Papst Eugen IV. die Überzeugung bei 
zubringen, daß der im Wachsen begriffene Einfluß der spanischen 
Juden für das Land eine große Gefahr bedeute. Hierauf veröffent 
lichte der Papst mit Zustimmung des Konzils eine Bulle (i442), 
durch die er die von Martin V. und von ihm selbst gewährten Er 
leichterungen widerrief, der Geistlichkeit die weitestgehenden Voll 
machten für die Entfaltung der Missionstätigkeit verlieh und ihr zu 
gleich anempfahl, die Befolgung aller kirchlichen Kanons streng 
stens zu überwachen. Da die wiedereingeführten Repressivmaßnah 
men, die vor allem jeden Verkehr zwischen Christen und Anders 
gläubigen unterbinden sollten, sich auch auf die Mauren erstreckten, 
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