Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 40. Die endgültige Vertreibung aus Frankreich 
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diesem Befehl, wie der französische Chronist berichtet, nur die we 
nigsten Folge. Zwei Jahre später verursachte der übermäßige Steuer 
druck eine neue Rebellion, die der „Maillotins“, und auch diesmal 
ließ die aufrührerische Menge in Paris und in anderen Städten ihre 
Wut nicht nur an den Beamten und Steuereinnehmern, sondern auch 
an den Juden aus. Viele Juden verließen hierauf Paris, andere wil 
ligten, um ihr Leben zu retten, in die Taufe ein. 
Seitdem war die Agitation gegen die Juden in stetem Wachsen be 
griffen. Die gesamte Judenheit wurde für die Sünden einzelner aus 
ihrer Mitte hervor gegangener Wucherer verantwortlich gemacht. Das 
Volk wollte zwischen diesen und den beamteten königlichen Steuerein 
nehmern keinen Unterschied machen, da auch die jüdischen Ausbeu 
ter letzten Endes zugunsten des Staatsschatzes „wirkten“. Kam es auf 
Betreiben jüdischer Gläubiger zur Verhaftung säumiger christlicher 
Schuldner, so stieg die Entrüstung der Bevölkerung vollends über alle 
Maßen. Die Gläubiger selbst mußten aber dem König ihren völligen 
Ruin klagen. So erklärten die Vertreter der Pariser Gemeinde, daß sie 
ohne Unterstützung von seiten ihrer Stammesgenossen im Languedoc 
die geforderten Steuern nicht aufzubringen vermocht hätten (1887). 
Mittlerweile fuhr die Geistlichkeit fort, das Volk gegen die „Ungläubi 
gen“ aufzuhetzen, und machte sich hierbei namentlich den folgenden 
Vorfall zunutze. Während der Judenverfolgungen hatte ein reicher 
Jude namens Denis Machaut die Taufe angenommen, war aber dann, 
von Reue erfüllt, aus Paris geflohen, um zu seinem angestammten 
Glauben zurückkehren zu können. Es verbreitete sich nun das Gerücht, 
daß die jüdischen Einwohner von Paris Machaut zur Flucht verholfen 
hätten, worauf sieben der Beihilfe beschuldigte Vertreter der Pariser 
Gemeinde zum Flammentode verurteilt wurden. Das grausame Todes 
urteil, das von einem aus Beamten und Priestern zusammengesetzten 
Tribunal gefällt worden war, wurde vom Parlament dahin abgeändert, 
daß die Verurteilten an drei aufeinanderfolgenden Sabbattagen auf 
drei verschiedenen Pariser Plätzen öffentlich ausgepeitscht und bis 
zur Rückkehr des „Apostaten“ Machaut in Gewahrsam gehalten wer 
den sollten (April i3g4). Durch diesen Vorfall hatte sich die Lage 
noch mehr verschärft. 
Ein halbes Jahr später erließ denn auch Karl VI. ein Dekret über 
die Vertreibung der letzten Überreste der jüdischen Bevölkerung aus 
allen königlichen Landen Frankreichs (17. September i3g4). Der
        

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