Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 40. Die endgültige Vertreibung aus Frankreich 
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Schutz gegen die Willkür der königlichen Beamten und Pachter ge 
währleistet, ihre inneren Rechtsstreitigkeiten durften vor einem Kol 
legium aus zwei Rabbinern und vier Gemeindemitgliedern ausgetra 
gen werden, wobei allerdings die von den jüdischen Richtern auf 
erlegten Geldstrafen wie auch die eingezogenen Vermögen der Ver 
urteilten dem königlichen Schatze zufallen sollten; außerdem wurde 
es strengstens untersagt, sich an dem beweglichen Gut der Juden, an 
ihren Getreidescheunen, Weinkellern, Viehherden sowie an ihren hei 
ligen Büchern zu vergreifen; schließlich gestattete man den Juden, 
bei der Betreibung des ihnen freigegebenen Kreditgeschäftes das Geld 
gegen Pfandsicherheit und bei großem Pdsiko auch gegen ent 
sprechend hohe Zinsen auszuleihen. Ein Prinz aus dem königlichen 
Hause, Graf d’Etampes, wurde zum Generalvormund und Beschützer 
der Juden (gardien general des juifs) ernannt, während Manecier de 
Vesoul zum Hauptsteuereinnehmer (receveur general) eingesetzt 
wurde, der für den Eingang aller auf den französischen Juden lasten 
den Steuern verantwortlich war. 
Diese Privilegien (zum Teil eher „privilegia odiosa“, so z. B. das 
Piecht, hohe Zinsen zu beanspruchen, wodurch die Staatseinkünfte 
erhöht werden sollten) vermochten jetzt nur wohlhabende Leute nach 
Frankreich zu locken. Auch diesmal wurden indessen die verbrieften 
Garantien nicht immer gehalten. So schrieb man den Juden auf die 
Umtriebe des Klerus hin von neuem vor, ein rotes rundförmiges Ab 
zeichen (rouelle) von der Größe des königlichen Siegels auf dem 
Gewände zu tragen. Jüdische Ärzte durften ihren Beruf erst nach 
Ablegung einer Prüfung vor einer christlichen Aufsichtsbehörde aus 
üben, und auch die solchermaßen eingeschränkte Erlaubnis wurde 
später rückgängig gemacht. 
Die Vertreter der französischen Judenheit, die Karl V. die an 
sehnlichen Beträge für die Aufenthaltsgenehmigung zu überbringen 
pflegten, erfreuten sich der besonderen königlichen Gunst. Es waren 
dies der bereits erwähnte Manecier de Vesoul in Nordfrankreich und 
Denis Quinon im Süden, im Languedoc. Zum Zeichen seines hohen 
Wohlwollens befreite der König seine Hauptsteuereinnehmer sowie 
den Oberrabbiner Mattathias Provenci, den Rektor der Pariser Tal 
mudschule, vom Tragen des „Judenrädchens“. Auf die Vorstellungen 
des Quinon hin entband Karl außerdem die Juden des Languedoc von 
der Verpflichtung, dem Gottesdienst und den Predigten der Missio
	        

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