Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 37. Der „Heilige Krieg“ vom Jahre 1391 
ten: die „Juderia“ mit ihren prachtvollen altertümlichen Bauten und 
ihren Warenlagern ging in den Flammen auf, 2000 Männer-, Frauen- 
und Kinderleichen lagen haufenweise überall auf den Straßen, in 
den Häusern und in den zerstörten Synagogen, und daneben wan 
delten gleich lebenden Leichnamen diejenigen, die, von Todesangst 
getrieben, von dem Glauben ihrer Väter abgefallen waren. Zwei Wo 
chen nach dem Blutbad von Sevilla kam die Reihe an die Gemeinde 
der Hauptstadt Toledo (am 17. Tammus). Hier waren es die Rab 
biner, die als erste „um der Heiligung des Namens willen“ in den 
Tod gingen; unter anderen ließen beim Blutbad von Toledo auch die 
Nachkommen des berühmten Talmudforschers Rosch ihr Leben. Nicht 
gering war jedoch auch die Zahl der Kleinmütigen, die in die Taufe 
einwilligten. Besonders viele solcher Fahnenflüchtigen wider Willen 
gab es in Burgos. Das gleiche Los war den Juden in vielen anderen 
Städten Kastiliens beschieden. Im ganzen verfielen etwa siebzig jü 
dische Gemeinden der Verheerung. 
Aus Kastilien griff die antijüdische Bewegung auf Aragonien über, 
wo eigens zum Zwecke der Verhetzung Emissäre aus dem Haupt 
quartier von Sevilla eingetroffen waren. Die Vorbeugungsmaßnahmen 
der Regierung vermochten das Unheil nicht immer abzuwenden. In 
Valencia brach der christliche Mob in die Juderia mit Binsenkreuzen 
in den Händen ein und rief: „Bald kommt Martinez nach, um euch 
alle zu taufen!“ (9. Juli). Die Juden setzten sich zur Wehr, dräng 
ten die eingebrochenen Raufbolde zu den Toren hinaus, wobei sie 
einige von ihnen nieder schlugen. Nun erscholl der Schrei: „Die Ju 
den morden die Christen!“, worauf die christlichen Monopolisten 
des Mordes die Sperre durchbrachen und von neuem in das jüdische 
Viertel eindrangen, um es zu zerstören und alle, deren sie habhaft 
werden konnten und die nicht in die Taufe einwilligten, auf der 
Stelle niederzumachen. Hierauf stießen die Mordgesellen gegen die 
„Moreria“, das Mauren viertel, vor, wurden aber durch die auf ge 
botenen Truppen zurückgeschlagen. Einen Monat später wurde von 
dem gleichen Lose auch die Hauptstadt Kataloniens, Barcelona, er 
eilt. Hier fanden die Juden zunächst unter dem Schutze des Stadt 
hauptmanns und der Ritter in der Zitadelle Zuflucht, der rasend ge 
wordene Stadtpöbel erhob sich jedoch gegen die Behörden und um 
zingelte die Feste, die er mit dem Beistand der aus der Umgegend her 
beigeeilten Bauern bald erstürmte. Als jede Hoffnung auf Rettung
	        

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