Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 35. Die Erfolge der klerikalen Reaktion 
schwere Kontribution auf, deren Aufbringung sogar den Verkauf der 
Verzierungen der Thorarollen notwendig machte. Später gelang es 
Pedro mit Beistand der Truppen des englischen „schwarzen Prinzen“ 
und des Emirs von Granada, seinem Widersacher für eine Zeitlang eine 
Reihe von Städten wieder zu entreißen. Unter diesen wechselvollen 
Kämpfen hatten die Juden nicht wenig zu leiden. So wurde der Ge 
meinde von Burgos im Laufe des Krieges noch einmal eine Kontri 
bution in Höhe von einer Million Maravedi auferlegt, diesmal für die 
Erlaubnis, in der Stadt zu verbleiben. An manchen Orten war es die 
christliche Bevölkerung selbst, die ihre jüdischen Mitbürger über 
fiel, sie ausplünderte und die Synagogen zerstörte (so in Valladolid). 
Die jahrelangen Wirren sollten erst i36g ein Ende nehmen. Die 
Truppen des Heinrich belagerten Toledo. Trotz der in der belagerten 
Hauptstadt herrschenden Hungersnot setzten sich die Juden gemein 
sam mit der christlichen Bevölkerung tapfer zur Wehr 1 ). Doch galt 
jetzt der Kampf einer verlorenen Sache. Im März desselben Jahres 
trug Heinrich bei Montiel einen entscheidenden Sieg über seinen Tod 
feind davon. Als der unterlegene Pedro mit Heinrich zusammentraf, 
rief dieser aus: „Da ist er ja, dieser Jude, der Hurensohn, der sich 
König von Kastilien nennt!“ Auf die Forderung des Befehlshabers 
der französischen Truppen hin wurde dann der unglückliche Pedro 
enthauptet. Als Papst Urban V. davon Kenntnis erhielt, ließ er die 
Bemerkung fallen: „Die Gläubigen können sich darüber nur freuen, 
daß dieser Tyrann, der sich gegen die Kirche erhob, Juden und Sara 
zenen aber begünstigte, nun sein Ende gefunden hat“. 
§ 35. Die Erfolge der klerikalen Reaktion 
Der aus dem Bürgerkrieg als Sieger hervorgegangene Heinrich II. 
(1369— J ^79) za hlte den Juden ihre Treue Pedro gegenüber da 
mit heim, daß er ihre schon während der Wirren ruinierten Gemein 
den aufs neue brandschatzte. Die Eintreibung der Kontribution war 
1 ) Der zeitgenössische Schriftsteller Samuel Zarza (Garca) berichtet: „Die 
heilige Gemeinde von Toledo, die Krone Israels, verlor im Laufe von zwei Mo 
naten während der Belagerung der Stadt durch Don Heinrich mehr als zehn 
tausend Menschen, die an Hunger, Not und Kummer zugrunde gingen ... Von 
Hunger geplagt, nagten die Belagerten am Pergamente der heiligen Bücher, kau 
ten Leder und Wolle. Viele zogen den Tod durch das Schwert dem Hungertode 
vor und stürzten sich aus der Stadt in das feindliche Lager“ . . . 
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