Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Das spanische Zentrum im XIV. Jahrhundert 
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Pulgar u. a.) traten dem Renegaten in ihren polemischen Schriften in 
schroffster Weise entgegen, was diesen noch mehr erbittern mußte. 
Abner-Alfons unterbreitete schließlich dem König eine verleumde 
rische Anzeige, in der er behauptete, daß die Juden in einem ihrer 
Gebete die Verehrer Christi verfluchten. Aus diesem Anlaß kam es 
in Valladolid im Beisein gelehrter Dominikaner zu einer Disputation 
zwischen Abner und den dortigen Rabbinern. Die Rabbiner suchten 
zu beweisen, daß das alte Gebet („Birchath ha’minim“, Band III, 
§ io) sich nur auf die jüdischen Renegaten und Angeber, nicht aber 
auf die Christen überhaupt bezöge; die jüdischen Wortführer nah 
men wohl an, daß die Kirche, die ihre eigenen Ketzer zu verwünschen 
pflegte, auch der Synagoge erlauben würde, die ihrigen zu verfluchen. 
Trotzdem gelang es dem Renegaten, der sich durch das jüdische Ana 
thema persönlich getroffen fühlte, den König und die Geistlichen 
zu überzeugen, daß dieses zugleich auch eine Schmähung des Chri 
stentums darstelle. Daraufhin untersagte Alfons XI. den jüdischen 
Gemeinden durch ein besonderes Dekret, bei einer Geldstrafe von ioo 
Maravedi das erwähnte Gebet beim Gottesdienst zu sprechen. 
Alfons XI. sah sich auch sonst gezwungen, den Feinden des Juden 
tums mancherlei Zugeständnisse zu machen. So erließ der König den 
christlichen Schuldnern, die die jüdischen Gläubiger des Wuchers 
bezichtigten, ein Viertel des geschuldeten Betrages, indem er zugleich 
alle Wuchergeschäfte überhaupt untersagte. Andererseits begünstigte 
er jedoch den jüdischen Grundbesitz, gegen den die Adelscortes so 
scharf ankämpften, und gestattete den Juden, weitausgedehnte Grund 
stücke an beiden Ufern des Duero bis zum Werte von 5o ooo Mara 
vedi zu erwerben (i348). 
§ 34. Die Juden im kastilischen Bürgerkrieg 
Noch nie war das Los der Juden so eng mit den politischen und 
dynastischen Umwälzungen in Spanien verknüpft, wie während der 
Regierungen der Söhne Alfons XI., Pedro und Heinrich. Der König 
Pedro IV., genannt „der Grausame“ (i35o—1369), verdient wohl 
kaum diesen Beinamen, soweit man sein Verhalten den Juden gegen 
über in Betracht zieht. So ernannte Pedro zu seinem Hauptschatz 
meister (tesorero mayor) Samuel Halevi Abulafia, einen Vertreter der 
jüdischen Aristokratie von Toledo, den er als Finanzfachmann in allen
	        
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