Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

Die kleineren Zentren und Kolonien im XIII. Jahrhundert 
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stellenden Beschränkungen die Verordnung hinzu, daß die Juden sich 
nicht als Zoll- und Steuerpächter oder als Münzmeister betätigen durf 
ten. In Wirklichkeit sollten jedoch all diese Erfindungen der Kleriker 
für das Los der jüdischen Kolonie in Polen in den nächsten Jahrhun 
derten keine ernstlichere Bedeutung erlangen. Es ging über ihre 
Kraft, die von den Landesherren aus staatswirtschaftlichem Interesse 
begünstigte Kolonisierung Polens durch die zusammen mit den Deut 
schen aus dem Westen, aus den deutschen und österreichisch-slawi 
schen Ländern zuwandernden Juden zu unterbinden. Wichtige Fol 
gen sollte die Begünstigung der jüdischen Einwanderung namentlich 
im XIV. Jahrhundert zeitigen, als in Polen an Stelle der Teilfürsten 
tümer die Alleinherrschaft der das zerstückelte Land unter ihrem Zep 
ter vereinigenden Könige trat. 
Welche polnischen Städte es waren, in denen sich um jene Zeit 
jüdische Gemeinden gebildet hatten und ob sich damals in Polen 
überhaupt ein normales Gemeindeleben entwickeln konnte, darüber 
geben uns die spärlichen Quellen keinerlei Aufschluß. Es hat sich nur 
ein indirekter Hinweis darauf erhalten, daß schon zu Beginn des XIII. 
Jahrhunderts im Lande freilich noch mangelhaft organisierte jüdi 
sche Gemeinden bestanden. Der Rabbiner Elieser aus Böhmen schreibt 
nämlich um das Jahr 1210 an R. Jehuda Chassid, den Verfasser des 
„Buches der Frommen“: „In den meisten Gegenden Polens, Rußlands 
und Ungarns gibt es keine gelehrten Männer unter den Juden, da diese 
ihrer armseligen Verhältnisse wegen solche nicht zu erhalten ver 
mögen. Darum pflegen sie (die Gemeindemitglieder) den ersten besten 
ihnen in den Weg kommenden Schriftkundigen zugleich als Vorbeter, 
als Gesetzes- und als Schullehrer anzustellen. Da die Gemeinde den 
Unterhalt dieser Männer nicht voll bestreiten kann, so ist es Brauch, 
ihnen die am Purim- und am Simchath-Thora-Feste sowie bei Hoch 
zeitsfeiern eingesammelten Spenden zur Verfügung zu stellen. Wenn 
man ihnen (den Rabbinern) diese Unterstützung entziehen wollte, so 
müßten sie mangels Existenzmitteln ihren Ämtern entsagen und die 
Gemeinden würden dann ohne Unterweisung, ohne Gottesdienst und 
ohne Belehrung bleiben“. Unter den westlichen Rabbinern scheint es 
eben um jene Zeit noch wenig kühne Pioniere gegeben zu haben, die 
sich zwecks Errichtung neuer Heimstätten der nationalen Kultur in 
diese entlegenen östlichen Kolonien hinausgewagt hätten. Die sich nur 
langsam entfaltenden Gemeinden bezogen lange Zeit ihre geistige Nah
	        

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