Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 16. Philosophie und Frcidenkertum 
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mich davor bewahrt hat“. Diese Worte ertönten mitten in einem 
heißen Kampfe, der in Spanien und Südfrankreich in den ersten 
Jahren des XIV. Jahrhunderts aufs neue entbrannt war. 
§16. Philosophie und Freidenkertum 
Im XIII. Jahrhundert stießen in der christlichen Scholastik, deren 
Mittelpunkt die Pariser Universität war, zwei Richtungen hart aufein 
ander. Die eine war bestrebt, die Religion mit der Philosophie des 
Aristoteles zu versöhnen, degradierte aber in Wirklichkeit die Philo 
sophie zu einer „Dienstmagd der Theologie“ (ancilla theologiae), in 
dem sie sich des logischen Apparates der aristotelischen Lehre nur als 
eines Hilfsmittels zur Begründung religiöser Dogmen bediente. Der 
hervorragendste Vertreter dieser Richtung war der berühmte Kirchen 
lehrer, der Dominikaner Thomas von Aquino, der die Kenntnis der 
aristotelischen Lehre vornehmlich den Werken des Averroes und des 
Maimonides verdankte. Die andere Richtung, die die Unvereinbarkeit 
von Philosophie und Religion behauptete, vertrat den Standpunkt der 
„zwiefachen Wahrheit“. Die Wahrheit des Glaubens — so meinten 
die Parteigänger dieser Richtung — stimme nicht immer mit der 
Wahrheit der Vernunft überein, da die eine von den natürlichen Er 
scheinungen, die andere aber von den übernatürlichen Tatsachen ihren 
Ausgang nähme. Eine Zwiefältigkeit der Weltauffassung sei daher 
unvermeidlich: es stehe jedem frei, auf dem Wege der Vernunft et 
was zu erkennen und dabei an das Gegenteil zu glauben. Dieser ge 
fährliche Dualismus, auf den die Anhänger des Averroes verfallen 
waren, wurde von den rechtgläubigen Theologen aufs schärfste ver 
folgt. Im Jahre 1269 und 1277 verhängte die Pariser Universität, auf 
die Forderung der Geistlichkeit hin, den Bannfluch über alle Ver 
fechter dieser Ansicht, zugleich aber auch über alle diejenigen, die 
sich zu den den Kirchendogmen zuwiderlaufenden Grundsätzen der 
„natürlichen Philosophie“ bekannten: zu der Ewigkeit oder Uner- 
schaffenheit der Welt, zu der Beseeltheit der Himmelssphären, zur 
Leugnung der leiblichen Auferstehung u. dgl. m. 
Von ähnlichen, wiewohl nicht ganz gleichen Tendenzen war um 
jene Zeit auch der Entwicklungsprozeß des jüdischen philosophischen 
Denkens beherrscht. Die treu zum Vermächtnis ihres Meisters halten 
den Maimonisten taten nämlich der Philosophie um deren Anpassung
	        

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