Full text: Die Geschichte des jüdischen Volkes in Europa (5, Europäische Periode ; Das späte Mittelalter ; 1927)

§ 13. Die aragonischen Gemeinden (1276—1291) 
Interesse geleitet, hatte der König ein wachsames Auge auf diejeni 
gen unter seinen Juden, die zwecks Steuerhinterziehung auf die Be 
sitzungen der Ritter oder der Mönchsorden übersiedelten, ohne dabei 
auf ihre Einkünfte von den auf königlichem Boden zurückgelassenen 
Gütern zu verzichten; der König ersuchte seine Beamten, die Rück 
stände solcher Flüchtlinge auf die betreffenden jüdischen Gemeinden 
abzuwälzen. Zugleich setzte er sich freilich für seine auf den Besitzun 
gen der Edelleute und Bischöfe bedrückten Juden in jeder Weise ein. 
Bei der Schlichtung von Privatstreitsachen pflegte der König sehr oft 
daran zu erinnern, daß die Entscheidung sich nach den Normen des 
jüdischen Rechts („asuna“) zu richten hätte. Als einmal eine Jüdin 
aus Saragossa eine Stammesgenossin der Erpressung von Wucher 
zinsen in Mißachtung des den Wucher gegenüber Volksgenossen un 
tersagenden jüdischen Gesetzes beschuldigte, schrieb der König der 
Aljama von Saragossa vor, nach Prüfung des wahren Sachverhaltes) 
über die Wuchererin den Bannfluch (Alatma, Anathema) zu verhängen 
und sie zur Rückzahlung des rechtswidrigen Gewinnes zu veranlassen. 
Indessen kam es vor, daß der König auch den Wucherern Vorschub 
leistete. Da im Bezirk von Barcelona das Kreditgeschäft eine der 
Haupterwerbsquellen der Juden bildete, so machte Pedro III. für die 
Provinz Katalonien das unter seinem Vorgänger ergangene Zinseszins 
verbot wieder rückgängig; dieses Vorrecht wurde dann auch von Al 
fons III. bestätigt. Zuweilen erstreckte der König seine Vormund 
schaftskompetenz sogar auf jüdische Familienangelegenheiten. So ge 
stattete Alfons III. einem Juden in Barcelona, in Anbetracht der Kin 
derlosigkeit seiner Gattin mit deren Einwilligung eine zweite Frau zu 
ehelichen, wenn dies dem jüdischen Gesetze nicht widerspräche. Zu 
gleich forderte er den Bajulus von Lerida auf, gegen einen des un 
ehelichen Zusammenlebens mit einer Christin überführten Juden ein 
Strafverfahren einzuleiten. Alles in allem zeugen die königlichen Ur 
kunden von einem durchaus wohlwollenden Verhalten des Königs 
gegenüber seinen jüdischen Untertanen. 
Nach dem Tode Jakobs I. (1276) fielen die Balearen und die ihm 
Untertanen französischen Provinzen (Montpellier, Roussillon, Per- 
pignan) von seinem Nachfolger auf dem aragonischen Throne, Pe 
dro III., ab, um sich unter dessen Bruder, Jakob II., dem „König von 
Mallorca“, zu einem besonderen Staat zusammenzuschließen. Die Brü 
der lagen in unausgesetzter Fehde miteinander. Der König von Mal
	        

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