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Wols
erstrecken. Das ist der Stadtplatz mit seiner Fortsetzung der Fabrikstraße, der Kaiser—
Wilhelm-⸗Ring mit seiner Fortsetzung der Maria-Theresia-Straße, der Kaiser⸗Josef⸗Platz,
mit seiner Fortsetzung der Kasernstraße, der lange Straßenzug Dr.-Franz-Groß-Straße,
Franz⸗ Galvator⸗Straße und Salzburgerstraße, endlich die Schubertstraße mit ihrer
Fortsetzung über die Kalvarienberg-Kirche. Dieser letztere Straßenzug liegt nun schon
kast unmittelbar an der Bahnstrecke Linz —Salzburg, und bildet die nördliche, gegen das
Donauufer gerichtete Grenze der römischen Stadt. Ihre südliche Grenze ist der Mühl—
bach, der parallel zur Traun verläuft. Gleich bei der Abfahrt vom Welser Bahnhof
in der Richtung Salzburg unterfahren wir die Bahnübersetzung. Von dieser nach Sü—
den, Richtung zur Traun, bis zur Burg, ist die Ostgrenze der römischen Stadt. Wenn
wir mit dem Zug von der Bohnübersetzung weg 1 Kmälang gefahren sind, sehen wir an
der Bahn die Kalvarienberg-Kirche und sodann die Porzellanfabrik. Zwischen diesen beiden
durch, nach Süden, geht die Westgrenze der römischen Stadt. So haben wir sie nun
deutlich erkennbar eingefangen. Es ist also ein Viereck, jede Seite nahezu 1 Km lang,
im Flächenausmaße von etwas mehr als go ha. Auch nach römischen Begriffen eine sehr
große Stadt. Freilich nicht zu vergleichen mit der römischen Riesenstadt Trier an der
Mosel, die ein Ausmaß von 300 bha hatteé, wohl aber größer als sonstige in ihrem Aus—
maße genau bekannte römische Zivilstädte. Die bekannken Legionslager sind bedeutend klei—
ner. Lorch bei Enns hat etwa 20 ha, Albing bei Enns 24 ha, Regensburg 24 ha,
und die beiden, für zwei Legionen eingerichteten Militärstationen Oberaden und Hoaltern
35 bis 40 ha, Kohorten-Kastelle für x000 Mann messen 3 bis 31/, da, für die Fünf⸗
hunderter-Kohorten 2 bis 21/, ha und die kleinen Beobachtungs-Kastelle, wie die Saal—
burg und Zugmantel nicht einmal J ha.
Die Stadt hat sich bereits unter Kaiser Hadrian stark entwickelt und unker diesem
eine eigene Zivil-Verfassung und eine Gemeindevertretung bekommen. Sie wurde unter
diesem Kaiser zum Munizipium erhoben. Aus Gunskirchen stammt ein Grabstein des Pu—
blius Septimius Ursus, der sich im Landesmuseum befindet, auf dem die Stadt nach
dem Kaiser Hadrian den Beinamen Aelia hakt. Nach dem Markomannen-Kriege, der
die germanischen Stämme bei Wien und Carnuntum über die Donau herüber weit in
das römische Gebiet brachte, lag das Wirrtschaftsleben darnieder, bis es sich unter Sep—
timius Severus und dessen Sohn Caracalla neu erhebt. Wir erkennen dies genau
aus den hier gefundenen römischen Münzen, deren Zahl bis Marcus Aurelius unter jedem
Herrscher bedeutend anwächst, darnach abnimmt und sich unker Caracalla wieder hebt.
Da drohen aber schon wieder neue Gefahren. Nachdem die Marcomannen und Qua—
den im Osten zur Ruhe gebracht waren, beginnen sich die Alemannen an der oberen Donau
zu rühren. Nun hebt ein lebhaftes Rüsten der Römer-Kastelle an der Donau an, so in
Faimingen und Eining und auch in unserer Gegend. Das Legionslager in Euns wird
unter diesem Kaiser fertiggestellt, die Donauufer-Straße von Eferding nach Passau wird
gebaut, wie dies der inzwischen verschollene Meilenstein an der Donau beim Jochenstein
nächst Englszell dartut. Die Straße von Wels nach Salzburg wurde gerichtet, wie
sich dies aus dem Meilenstein ergibt, der in Mösendorf gefunden wurde und in Vöckla—
markt jetzt aufgestellt ist. Dies ist auch die Zeit, in der unkter Caracalla die Stadt
Wels den maossiven Befestigungsgürtel erhält. Dieses Fortifikationsmuster, die Ummaue—
rung mit abgerundeten Ecken, davor vier Spitzgräben, ist an allen donauaufwärts damals