Die Spitalkirche zum beil. Seilt in Braunau.
T)on Krieg, von Kampf unb Streit muß auch ber Geschichtschreiber des Jnnviertels
^ viel erzählen; benn durch bas Grenzlaud zwischen Bayern unb Oesterreich
gingen alle Züge ber feinblichen Parteien. Endlich am Ende bes 14. Jahrhunderts
konnte Bürger und Bauer aufatmen. Schon ein Menschenalter lang war man ver¬
schont gewesen und gewann nun allmählich Zuversicht auf die Erhaltung des Friedens.
Die Hoffnung wurde nicht getäuscht. Das 15. Jahrhundert ist friedlich verlaufen.
Was die Chronisten berichten, können wir mit Freuden lesen, sie berichten vom
Blühen des Gewerbes, von einträglichen Märkten und Handelsfahrten bis ins Tirvler-
land zum Beispiel, vom Reichtum und Wohlstand der Bürger. Zwar das ging nicht
so schnell. Der ttebergang von den wilden Kriegszeiten zu dem friedlichen 15. Jahr¬
hundert war nicht leicht zu finden. Gesindel trieb sich auf Weg und Steg herum
und erleichterte den Kaufleuten, die Waren fortbringen wollten oder mit dem Erlös
heimkehrten, Wagen und Geldkatze. Am Inn stand manche Burg, deren Besitzer von
solchem Raube lebte. Viel wird auch geklagt über die Höhe der Steuern; und es
mag ja fein, daß die Herzöge hohe Abgaben verlangten, weil durch die Kriege das
Geld in ihren Kaffen ausgegangen war; daß es den Untertanen wiederum aus
demselben Grunde schwer fiel, diese Gelder auszubringen. Das war schon unter
Herzog Friedrich so. Und da bet feinem Tode (1392) der Erbe noch zu jung war
und" der Herzog von München und der von Ingolstadt als Vormünder für ihn
regierten, wurde bas auch nicht besser. Erst als Heinrich, dieses Namens der 16.,
selber zu herrschen begann — man schrieb das Jahr 1402 — spürte man, daß es
anders werde. Vor allem zeigte er den festen Willen, dem Raubritterwesen, der
Unsicherheit auf Weg und Steg ein Ende zu machen. Es gelang. Die Sicherheit
wurde größer, der Handel sonnte sich ungestört entfalten. Daun war er bedacht auf
Sparsamkeit. Auch davon hatten die Untertanen großen Nutzen: die Steuern wurden
leichter, sie konnten geleistet werden. Was Arbeit und Fleiß früher schon erworben
hatte, wurde jetzt neu bekräftigt und erweitert: so bestätigte Heinrich gleich nach
seinem Regierungsantritte den Bürgern von Rieb alle Rechte unb Freiheiten, die
sie erworben hatten; bestätigte ihnen im Jahre 1416 bas schon im 14. Jahrhundert
verliehene Marktgericht und verlieh — schon 1402 war das — das wertvolle
Privileg, daß die Bürger ihren Marktrichter selber wählen sollten.
Und so ist auch der Aufschwung, die Blüte, der Wohlstand Braunaus vor
allem an den Namen dieses Herzogs geknüpft. Unter feiner Regierung wurde Braunau
eine der reichsten Städte in ganz Nieder-Bayern. Noch zwei Jahre vor feinem Tode
hatten ihm die Bürger großen Dank abzustatten: er hatte eben das alte Landgericht
Weilhart in zwei Gerichtsbezirke geteilt und verordnet, daß ber Landrichter bes oberen
Weithart in Braunau feinen Sitz zu nehmen habe. Das hatte große Bedeutung für
die Stadt. — Der Wohlstand und der Stolz der Bürger prägte sich benn jetzt zum
erstenmale auch im Stad tbilde aus. Noch heute, man mag von welcher Seite
immer an die Stadt heran kommen, bietet sie ein Bild, das einen freuen kann;
das von einer Kultur und einem Geschmack jener alten Zeit zeigt, die Ried zum
Beispiel gefehlt haben. Wie prächtig baut sich nicht der Turm der Pfarrkirche aus
mit feinen feinempfundenen Abstufungen, mit den Spitzbögen, die den massigen
Kern wie ein Schleier umziehen! Zwar war Heinrich schon tot, als ber Turm
vollendet wurde, aber die Kirche selbst wurde unter seiner Regierung gebaut; 1439