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Der Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland
rollten die Truppenzüge, die die ersten Staffeln der deutschen 47. RD.
unter GLt. v. Besser brachten.
Während die Lagerfestung Krakau wie schon Mitte November die
Verschiebung der 4. Armee deckte, näherte sich der rechte Flügel der
russischen 3. Armee (X. und XXI.Korps) vorsichtig den Außenwerken der
Nordfront auf Ertrag des schweren Geschützes. Auf der ganzen Front der
1 .Armee herrschte, von Artilleriekampf und flüchtigem V orpostengeplänkel
abgesehen, seit den letzten Tagen Ruhe. Die beiden Gegner schanzten.
Südlich der Weichsel bezog FZM. Ljubicic am 28. vormittags mit dem
XI. Korps eine Stellung, die von der Festung über Siepraw in die Vor¬
berge der Westbeskiden bis Lubieñ führte. Die 10. KD. wurde aus dem
Räume westlich vonDobczyce gegenMyslenice verschoben. Das Kavallerie¬
korps FML. Nagy —11. und 6. KD., verstärkt durch polnische Legionäre1)
—■ stand in der Enge von Dobra. Es sah sich von russischer Kavallerie
angegriffen und ging am 29. wegen Gefährdung der Nordflanke auf
Kasina Wk. zurück. Die 13.SchD. wurde an diesem Tage bereits in
Chabówka ausgeladen und sofort nach Mszana Dl. in Marsch gesetzt, um
den Aufmarsch des mit der Eisenbahn nachrückenden XIV. Korps zu
decken. Der südlich der Weichsel stehende Flügel der russischen 3. Armee
(XI. und IX. Korps) war inzwischen bis in die Gegend westlich von Nie-
polomice und Dobczyce gerückt und drang am 29. vormittags mit einer
Kolonne gegen die Mitte der 11. ID. vor. FML. Kuk erwartete einen An¬
griff der Russen auf die Nord- und die Südostfront der Festung.
In dieser Lage stellte Gdl. Conrad am 29. nachmittags dem FML.
Kuk die 45. SchD. der 1. Armee zur Abwehr eines feindlichen Angriffs
auf die Nordostfront zur Verfügung und befahl der 4. Armee, den Feind
südlich der Weichsel zu schlagen und nordwärts an die Weichsel zu
drücken. Das XIV. Korps und die verfügbaren Teile der deutschen 47. RD.
sollten nunmehr sofort mit Fußmarsch südwärts verschoben werden, um
die Südflanke des Feindes zu fassen, weil man in Teschen die Strecke
Krakau—Sucha—Jordanów nicht mehr benützen zu können glaubte. Die
13. SchD. hatte unter Deckung gegen Ost durch das Kavalleriekorps
FML. Nagy in den Rücken des Feindes vorzugehen.
Das 4. Armeekmdo., durch diese veränderte Absicht völlig über¬
rascht, war nicht gesonnen, die bereits rollenden Truppenzüge des
XIV. Korps anzuhalten, da durch einen Fußmarsch der Truppen eine sehr
unliebsame Verzögerung des geplanten Angriffsunternehmens eintreten
konnte. Auch hoffte Erzherzog Joseph Ferdinand, daß sich das XI. Korps
*■) Eine Brigade der Legion befand sich bei der Armeegruppe Pflanzer.