Russische Umfassungsversuche bei Krakau
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5. und der 4. Armee eine große Lücke entstand. Hiedurch sah sich der
Großfürst am 17. November veranlaßt, dem Gen. Iwanow die 4. Armee
wieder zu unterstellen (S. 516) und ihm die Deckung seiner Nordflanke
ganz besonders einzuschärfen.
Gen. Iwanow handelte rasch und entschlossen. Er ließ die UralKosD.
und die TransbaikalKosBrig. der 4. Armee sowie die 13. KD. der 9. Armee
unter dem Reitergeneral Fürst Tumanow an der oberen Widawka ver¬
sammeln und befahl dem Gen. Ewert, den Nordflügel seiner 4. Armee
(GrenKorps) bis Noworadomsk auszudehnen.
Aber auch im Süden bei der russischen 9. Armee hatte sich inzwischen
durch den Angriff des Gegners aus Krakau die Gefahr einer Umfassung
erhoben. Dort hatte Gen. Letschitzki für eine Verstärkung der Front schon
vorgesorgt. Er hatte die südlich der Weichsel vorrückende Gruppe Krusen-
stern (S. 504) bei Nowy Korczyn auf das Nordufer geführt und ihre Divi¬
sionen (23. und 46. ID. und 80. RD.) bei Skalbmierz wieder mit dem
XVIII. Korps vereinigt. Als sich der Angriff des Gegners aus Krakau ent¬
wickelte, zog er am 16. abends dieses Korps nach Slomniki vor, um es in
die Front zwischen dem XXV. und dem GKorps einzuschieben. Weiters
ließ Gen. Letschitzki über die Weichsel abwärts der Duna jecmündung für den
Uferwechsel von Kräften der in Galizien heranrückenden 3. Armee Brücken
schlagen. Diese Armee hatte Gen. Iwanow angewiesen, ihren Vormarsch
möglichst zu beschleunigen und zwischen der Raba und dem Dunajec drei
Korps zu vereinen, die in den Kampf der 9. Armee eingreifen sollten. Im
übrigen hieß Gen. Iwanow am 17. abends die 4. und die 9. Armee den schon
erlahmenden Angriff „bis zur Vernichtung des Gegners" fortsetzen *).
Der Fortgang der Schlachten zwischen dem 18. und
20. November
Hierzu Beilage 20 sowie Skizzen 36, 37 und 38
Am 18.November führten die Schlachten bei Krakau und Czenstochau
zu einem erbitterten Ringen. Die auf dem rechtenFlügel der k.u.k. 4. Armee
fechtende Gruppe des Gdl. Kritek (19. ID., halbe 41. HID., 15. ID. und
96. IBrig.) warf den linken Flügel des XXV. Russenkorps nach hart¬
näckigem Kampfe auf Wawrzenczyce und nördlich zurück. Die 3.ID. des
XIV. Korps hatte bereits in der Nacht eine heiß umstrittene Höhe bei
Biorków erstürmt, worauf die 8. ID. am Morgen Wronin gewann. An-
*) Korolkow, Übersicht, 160 ff.
I 2. Aufl.
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