Volltext: Vom Kriegsausbruch bis zum Ausgang der Schlacht bei Limanowa-Lapanów ; 1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ; (1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ;)

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Rüstung zum großen Waffengang 
mittelbar zu decken vermochten. Die Kolubara war als erster Abschnitt 
gedacht in der seit dem Sommer 1913 gehegten Hoffnung, daß sich bis 
dahin Bulgarien ¿um Eintritt in den Krieg gegen das verhaßte Serbien 
entschieden haben werde1), womit nicht nur das Schicksal Serbiens, 
sondern auch das Montenegros besiegelt gewesen wäre. 
Der Kriegsplan des Generalstabes gegen Rußland und die durch ihn 
bedingten Vorbereitungen wurzelten in den Abmachungen, die Gdl. Con¬ 
rad und GO.Moltke seit dem 1. Jänner 1909 in Briefen und zeitweiligen 
Besprechungen festgelegt hatten. Beide stimmten in der Annahme über¬ 
ein, daß Rußland mit zwei Armeen (etwa 16 bis 20 Divisionen) an der 
Ost- und Südgrenze Ostpreußens aufmarschieren und angreifen, die 
Masse seines Heeres jedoch gegen Österreich-Ungarn ansetzen werde. 
Im Winter 1913/14 vermutete der k. u. k. Generalstab, daß der Feind 
mit einer starken Kraft (bis zum 20. russischen Mobilisierungstag etwa 
4 Kavallerie- und 14 Infanteriedivisionen, bis zum 30. Tag 24 Infanterie¬ 
divisionen) zwischen Weichsel und Bug, dann mit je einer Armee bei 
Rowno (2 Kavallerie- und zuerst 7, dann 12 Infanteriedivisionen) und 
bei Proskurow (S Kavallerie- und anfangs 10, später 16 Infanteriedivi¬ 
sionen) aufzutreten beabsichtige. Zwischen Dniester und Pruth erwartete 
man nur schwächere Kräfte (1 bis 2 Kavallerie- und 4, nachher 8 In¬ 
fanteriedivisionen). Das Gesamtaufgebot Rußlands gegen die Donau¬ 
monarchie wurde daher bis zum 20. Mobilisierungstag auf 12 bis 13 Ka¬ 
vallerie- und 35 Infanteriedivisionen, bis zum 30. auf 60 Infanteriedivi¬ 
sionen geschätzt. Um wieviel sich der russische Aufmarsch durch die 
zahlreichen Probemobilisierungen und sonstige Maßnahmen, die noch vor 
der offiziellen Mobilmachung getroffen werden mochten, gegen die eben 
ausgeführte Annahme beschleunigt haben konnte, ließ sich nicht vorher¬ 
sagen. Daß der Feind das Land westlich der Weichsel vor Aufnahme der 
Feindseligkeiten räumen werde, galt als gewiß. 
Den Plan, wie der Krieg gegen Rußland zu führen sei, hatte 
Gdl. Conrad in den Grundzügen schon im Jahre 1909 entworfen, ohne 
späterhin wesentlich davon abzuweichen. Ob er dabei an alte Vorbilder 
anknüpfte, wissen wir nicht. In der Tat hatte schon FM. Freih. v. Heß 
während der Krise 1854/55 die Absicht, einen Kampf gegen Rußland 
durch einen Vorstoß aus Ostgalizien gegen Norden einzuleiten 2) und auch 
!) Vgl. Fried jung, Das Zeitalter des Imperialismus 1884—1914 (Berlin 1922), 
III, 294 ff; Pribram, Austrian Foreign Policy 1908—1918 (London 1923), 46 ff. 
2) Glaise-Horstenauj Franz Josephs Weggefährte (Lebensbeschreibung 
Becks, Wien 1930), 285ff, 342ff.
	        
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