Full text: Vom Kriegsausbruch bis zum Ausgang der Schlacht bei Limanowa-Lapanów ; 1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ; (1. Das Kriegsjahr 1914 ; [Textbd.] ;)

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Rüstung zum großen Waffengang 
Reichsbefestigung 
In Galicien 
Die galizischen Befestigungen bestanden aus den Lagerfestungen Krakau und 
Przemysl, der behelfsmäßigen Befestigung von Lemberg, den feldmäßigen Brücken- 
schutzanlagen an den San- und Dniesterübergängen und einigen Steinwachhäusern 
bei bedeutenden Bahnbrücken und Tunnels zur örtlichen Sicherung dieser Kunstbauten. 
Lagerfestung Krakau. Aufgabe : Sperrung der wichtigen, im Weichseltale 
führenden Verkehrslinien, die zwischen Reichsgrenze und Nordfuß der westlichen 
Karpathen zusammengedrängt sind. Gürtellinie 57 km Umfang, 16 Hauptwerke, davon 
10 mit Panzer, 14 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau, 
verstärkt durch Haupt- und Zwischenwerke als zweite Widerstandslinie, 24 km Um¬ 
fang. Armierung etwa 800 Geschütze, Sicherungsbesatzung zwei Landsturminfanterie¬ 
brigaden mit 25 Bataillonen. 
Lagerfestung Przemysl. Aufgabe : Sperrung der Hauptbahn Lemberg— 
Krakau, Erschwerung des Zutrittes zu den günstigen Karpathenübergängen westlich des 
Uzsokpasses. Przemysl litt sehr unter dem Umstand, daß die von Jaroslau und 
Chyrów heranführenden Bahnen sehr rasch von einem von Osten anrückenden Feinde 
unter Feuer genommen werden konnten. Die von der Heeresverwaltung oft angestrebte 
Santal-Bahn, die vor östlichen Angriffen gesichert von Westen her den Platz erreicht 
hätte, war nie bewilligt worden. Gürtellinie 45 km Umfang, 17 Hauptwerke, davon 
5 mit Panzer, 19 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau 
von 15 km Umfang. Armierung 956 Geschütze, hievon in der mobilen und schweren 
Geschützreserve 180; Sicherheitsbesatzung zwei Landsturminfanteriebrigaden mit 22 Ba¬ 
taillonen. 
Die Werke von Krakau und Przemysl stammten aus verschiedenen Bauperioden 
und waren je nach den Anschauungen der Bauzeit, gemäß der damals zu erwartenden 
feindlichen Geschützwirkung im permanenten Stile angelegt worden. Die Mehrzahl der 
Forts wurde in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut. Sie waren geschlos¬ 
sene Werke mit hohem Aufzug, Ziegelmauerwerk und Geschützen auf offenem Wall 
zwischen Erdtraversen. Allmählich waren die Gürtelbefestigungsanlagen in Krakau, 
ringsum außer im Osten, in Przemysl vor allem an der Nord-und Ostfront zum Teil 
durch Umbau zu Panzerhauptwerken aus Beton mit Geschützen unter Drehpanzer, 
dann durch Einschiebung von Panzerzwischen- und Vorwerken modernisiert und ver¬ 
stärkt worden. Viele Geschütze der Sicherheitsarmierung standen demnach in den 
Werken noch auf offenem Wall. In den Panzerwerken bildeten 15 cm-Haubitzen und 
15 cm-Mörser unter Drehkuppeln, gelenkt aus gepanzerten Beobachtungsständen, die 
Bernkampf artillerie. Für nähere Distanzen und in den Zwischen- und Vorwerken stan¬ 
den 8 cm-Schnellfeuerkanonen unter Drehpanzer. 
Höchster Wert war auf die Erzielung der „Sturmfreiheit" gelegt worden, die den 
Erfolg eines überraschenden oder gewaltsamen Angriffes unmöglich machen und den 
Feind zwingen sollte, zur Niederringung eines Gürtelabschnittes Belagerungsmaterial 
heranzubringen.
	        
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