überschwemmt und ungangbar sein. Der zunehmende Wasserstand des S^kowabaches drohe alle
Übergänge gänzlich wegzureißen.
Wegen der feindlichen Waffenwirkung konnte den Kämpfern in der Schwarmlinie nur nachts
Proviant und Munition zugeschoben, die Verwundeten zurückgetragen und die Toten begraben
werden. Seit dem 17. März hatten die müden Streiter nichts mehr Warmes im Magen. Nach
Tauwetter am Tage trat nachts Frost ein. Es war den Trabenbesatzungen unmöglich, das nah-
gewordene Schuhzeug zu wechseln. Das Verharren in den feuchten Gräben fraß Kraft und Nerven,
Erfrierungen waren ebenso zahlreich als Verwundungen.
Todmüde vom Angriff und ausgekältet vom podolifchen Winter, lagen die 4er Kaiserjäger in
ihren Kampfstellungen am Sqkowabache. Der Tag verstrich langsam. Endlich, in der Nacht zum
20. März, schlug für das II. Bataillon die Erlösungsstunde. Es wurde am SUdhang der Höhe 507
durch das I. Bataillon der 1 er Kaiserjäger abgelöst, was rnssischerseits bemerkt wnrde. Das feind-
liebe Störungsfeuer rief auf der ganzen Front eine nutzlose Schießerei hervor. Die Fahrküchen des
3. Regiments, die bis unmittelbar hinter die Schwarmlinie vorgefahren waren, um den Stellung«-
Kompagnien nach langer «Zeit wieder warme Kost zu bringen, waren gerade auf der Rückfahrt und
erlitten durch das gleichfalls einsetzende feindliche Geschützfeuer schmerzliche Verluste. Die zur
Abwehr eines befürchteten Vorstoßes der Russen durch das Tal des M^cinabaches hinter dem
rechten Flügel der %. Brigade herangezogenen Teile des 1. Regiments (5., 7., 10. und 11. Kom-
pagnie) wurden alarmiert und auch die restlichen vier Kompagnien (6., 8., 9. und 12.) nächst der
Kote 408 östlich von Siary bereitgehalten. Gleichzeitig machten sich auch die hinter dem linken
Flügel der 9b. Brigade befindlichen Kompagnien (1., 3. und 4.) des 3. Regiments und die Reserven
in Siarcz, darunter das I. Bataillon des 4. Regiments, kampfbereit. Der nächtliche Spuk war bald
vorüber. Das II. Bataillon des 4. Regiments konnte aus seiner bisherigen Stellung gezogen und
nach Siary verlegt werden.
Ein Mitkämpfer schildert in plastischer Darstellung das Einrücken in die Kampffront und die
Verhältnisse in den von den Kaiserjägern besetzten Stellungen am S^kowabache:
„Es war ein windiger, trüber Märztag, zeitweise schneite es. Als wir aus unseren Quartieren
abrückten, begann es schon finster zu werden. Wir konnten also, unbekümmert um die mögliche Ein-
sicht des Feindes, in den uns zugewiesenen Stellungsabschnitt marschieren.
Beiderseits unseres Weges lagen die Hütten von Sqkowa, meist Holzbauten, mit Stroh gedeckt;
keine Menschenseele war zu sehen. Das Ganze schien wie ausgestorben und gab in der Melancholie
des Wetters einen recht traurigen Anblick. An der Front vorne fiel ab und zu ein Schuß. Kugeln
pfiffen vorbei und gingen weit hinter uns irgendwo in die Tore der armseligen Keuschen. Dann
bogen wir links ab, stampften durch den durchwässerten Schnee quer Uber Felder, überschritten auf
Stegen den Sykowabach und krochen die Böschung am anderen Ufer hinauf. Der steile Hang war
am Fuße vom Sickerwasser des Schnees durchtränkt. Der Aufstieg war daher ziemlich beschwerlich,
ein Mann mußte den anderen stützen und schieben, die Füße fanden auf dem lehmigen Boden keinen
Halt. Viele, die schon die Böschung zur Hälfte überwunden hatten, rutschten ans und glitten in dem
Dreck, andere mitreißend, den Hang hinunter. Anfänglich machte es den Sägern Spaß und sie hoben
immer ein großes Gelächter an, wenn einer heruntergeflogen kam, über und Uber mit Dreck bedeckt.
Als dies Geschick ziemlich allgemein wurde, begann man aber zu schimpfen und zu fluchen.
Mittlerweile war es stockfinster geworden. Oben wanderten wir auf einem ausgetretenen Pfad
an einem einsamen Hause vorbei über einen freien, sanft ansteigenden, schneebedeckten Hang westlich
des M^cinabaches. Der Schnee hier oben war nicht so schmutzig wie unten im Tale an der Straße
um die Häuser herum und er hellte die Finsternis auf. Wir waren erst einige Minuten marschiert —
da sahen wir vor uns schwarze Löcher. Dies waren die Kampfgräben, ans denen die alte Besatzung
mit Eile herausstieg. Langes Herumstehen der Ablösung außerhalb der Gräben war nicht ratsam,
ein jeder drängte sich, zu so einem schwarzen Loch zu kommen, und rasch war alles in den Gräben
untergebracht. Da blieb man aber gleich stecken, sah nach rechts und nach links, beiderseits gähnte
einem der Rachen einer finsteren Höhle an. Es war aber nicht viel zu überlegen, man wußte weder
was auf der einen noch auf der anderen Seite komme und kroch halt irgendwo auf allen Bieren ins
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