Full text: Die Pasubio-Kämpfe 1916 - 1918

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In ununterbrochenem Betriebe arbeiteten vier Schichten zu sechs 
Stunden, jede Schicht zu 36 Sappeuren, 20 Mineuren und 40 Kaiserjägern, 
zusammen also 380 Mann, In den letzten Tagen wurden diese Partien 
noch verstärkt, da der Weg vom Arbeitsort bis zum Schuttauswurf 270 m 
und der Höhenunterschied 50 m betrugen. Bis einschließlich der Brigade- 
reserve mußte die Besatzungsmannschaft turnusweise herangezogen 
werden. 
Unter außerordentlicher Kraftanstrengung aller arbeitenden Teil¬ 
nehmer waren die Kammern bereits am 3, März fast fertiggestellt. Da 
aber auch die Italiener indessen unablässig mit höchster Kraft weiter¬ 
gearbeitet hatten, konnte der Leiter der Minenarbeiten es nicht wagen, 
mit dem Laden zu beginnen. Er entschloß sich, noch zuzuwarten, die 
Täuschungsarbeiten aber fortzusetzen. Die Arbeiten in den Minenkam¬ 
mern wurden eingestellt und in den den feindlichen Stollen zunächst lie¬ 
genden Kammern30) plötzlich mit zwei Hämmern gebohrt und mit starken 
Ladungen abgesprengt. Damit sollte absichtlich eine feindliche Sprengung 
ausgelöst werden, um dann den gefährlichsten Teil, das Laden, bei dem 
fast das ganze Minensystem mit Menschen, aber auch mit Waggonladun¬ 
gen von Sprengmunition, Sandsäcken, Zement, Betonschotter etc. voll¬ 
gepfropft war, durchzuführen. Alle Gastüren standen offen, die gegen 
Schlag und Flammen sehr empfindlichen Zündleitungen lagerten offen in 
den Stollen und Kammern, In dieser gefährlichen Lage hätte eine feind¬ 
liche Sprengung die schwersten Verluste gezeitigt; an eine Abwehr eines 
möglichen feindlichen Einbruches wäre nicht zu denken gewesen. 
m) Die italienische Sprengung am 5. März 1918 
um 17.30 Uhr. (Hiezu siehe die Skizzen Seite 229 und 261.) 
Glücklicherweise gelang die Täuschung, denn die Italiener ließen 
sich am 5. März zur Sprengung einer Mine in ihrem äußersten rechten 
Stollen 531) verleiten. Nach ihrer Meinung wurden die österreichischen 
Stollen verschüttet und zerstört, auch im Ellisonstollen soll Gas einge¬ 
drungen sein. 
Nur die letztere Annahme war richtig. Die dadurch hervorgerufene 
Arbeitsunterbrechung dauerte jedoch nicht lange, da zwei rasch verlegte 
Druckluftleitungen und zwei Ventilatoren sofort an der Entlüftung arbei¬ 
teten, so daß der Stollen nach sechs Stunden bereits wieder betreten 
und die Arbeit schon in der Nacht vom 5. auf den 6. März mit frischer 
Kraft aufgenommen werden konnte. Das Stollensystem selbst war voll¬ 
kommen unversehrt geblieben. 
Es waren dies die Stollen, in denen die Sprengung am 24. 12. 1917 und 
2. 2. 1918 erfolgten (siehe Skizzen Seite 249 und 261). 
31) Siehe Skizze Seite 229.
	        
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