Full text: Die Pasubio-Kämpfe 1916 - 1918

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zu umfassen, ein Befehl zum Rückzüge in die Ausgangsstellung ein¬ 
getroffen.43) 
Die Gefechtsberichte und der Bericht des Sektionskommandanten 
Lt. Oberguggenberger enthalten keine Angaben über einen feindlichen 
Angriff in den Morgenstunden des 12. Oktober auf der Platte. 
Der ganze 12. Oktober verlief für die Platte ohne Angriffstätigkeit 
der feindlichen Infanterie. Dagegen verrichteten die gegnerische Artillerie 
und die Minenwerfer unentwegt ihr Vernichtungswerk. Von den Stel- 
lungs- oder Laufgräben war fast nichts mehr zu sehen. Alle oberirdischen 
Unterstände waren hinweggefegt; nur ein einziger kleiner Unterstand 
entging merkwürdigerweise der Zerstörung. Über ihn erzählt Lt. Jakoncig 
in seinem Kriegstagebuch eine interessante Episode: 
„Als am 12. etwas Ruhe eingetreten war, forderte mich ein Jäger 
auf, mit ihm zu gehen, er habe etwas gefunden. Er zeigte mir in der Nähe 
der Kompagniekommandokaverne einen ganz kleinen, nicht einmal manns¬ 
hohen Unterstand, der wie durch ein Wunder dem Trommelfeuer entgan¬ 
gen war. Beim Eintreten gewahrte ich im Dunkeln einen kleinen Tisch, 
rundherum an den Wänden einfache Holzbänke. Um diesen kleinen Tisch 
saßen oder kauerten in den verschiedensten Stellungen 4 od'er 5 Jäger. 
Als ich ganz nahe getreten war, sah ich, daß die Tafelrunde aus Toten 
bestand. Mein armer Zugsführer Koller, der am 9. verwundet an mir 
vorübergelaufen war, saß dort. Er hatte einen Schuß von der Seite durch 
den ganzen Brustkorb. Das Geschoß steckte im Notizbuch. Die anderen 
Toten aber, die in grotesken und verzerrten Stellungen herumsaßen, 
hatten scheinbar keine tödlichen Wunden. Ihre Gesichter waren auf¬ 
gedunsen, die Augen hervorgequollen und es machte den Eindruck, als 
ob sie sich verwundet in den Unterstand gerettet hätten und durch Gas 
zugrundegegangen wären. 
Der Eindruck, den diese Tafelrunde der Toten, die alle liebe und 
tapfere Kampfgenossen gewesen waren (Zugsführer Koller war das Muster 
eines Kaiserjägerzugsführers), auf mich machte, war erschütternd und 
einer der schrecklichsten während der ganzen Kämpfe." 
c) Nächtlicher Angriffsversuch der Italiener gegen 
die Sektionen 8 bis 12. 
Gegen den östlich an die Platte anschließenden Stellungsteil der 
Pasubiofront hatte die Gruppe des Obst. Saracco (III/158 und 11/157) vor¬ 
zugehen. Den Verlauf eines Teiles dieses Angriffes entnehmen wir dem 
bereits zitierten Buche des Capitano Coda:44) 
„Um Mitternacht ließ der Kommandant des 11/157, Mjr. Bussi, drei 
Züge der 7. und1 8. Kompagnie verstärkt durch eine Sektion Torpedo¬ 
minenwerfer gegen einen kleinen Hügel vorgehen, der sich nordöstlich 
43) „Due anni di guerra con la Brigata Liguria" von Capit. Coda. 
44j Coda, „Due anni di guerra con la Brigata Liguria", Seite 171, 172.
	        
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