Full text: Illustrierte Kriegsbeilage Nr. 27 1916 (Nr. 27 1916)

er erdrückte ihn fast. Alle paar Meter mußte sein Retter 
innehalten und sich etwas aufstemmen, um einmal tief 
aufatmen zu können. 
Mit einem Male fühlte er einen heißen Stich im 
Oberschenkel, und da hörte er es auch: die Franzosen ftli-Jfc 
schossen auf ihn. 
Er drückte sich nieder, vorwärts, nur vorwärts! Er 
fühlte ein Brennen im linken Fuß, er konnte nicht mehr tig-H 
nachschieben, er mußte sich mit den Händen vorwärts »wW 
ziehen; seine Finger krampsten sich in die Erde; die 
Nägel sprangen, er fühlte das Blut an den wunden 
Spitzen. Ein riesiger Schmerz kroch ihm den Nacken -§> »1 
herauf; sein Krenz drohte zu brechen. Vorwärts, vorwärts! 
Da griffen helfende Hände nach ihm, da zogen die 
Kameraden sie beide in den Graben. Eine Taschenlampe 
blinkte auf. Der Hauptmann unterdrückte eine rasch 
aufsteigende Verwünschung und sprang zurück. Heinrich EjÜ 
Hermes stützte sich mühsam auf zwei Kameraden. 
„Wissen Sie, wen Sie gerettet haben?" fragte ihn h'T+s'k 
der Hauptmann. 
„Ja", sagte der Gefreite, und eine dunkle Blutwelle <>%*:'A 
überfloß wie fchmnhaft sein Gesicht, „einen Franzosen; " 
ich dachte ... ich wäre ja doch nun einmal in dem 
Loch . . ." 
Der Hauptmann ging auf ihn zu, er reichte ihm 
die Hand und drückte sie wiederholt. Und jeder Druck 
war ein Wort des Dankes und der Achtung. da einer von ihnen Chormeister war — und dann 
Und dann lagen die beiden Verwundeten, Freund fragte ich, kann ich morgen beichten gehen? „Ja, ja! 
und Feind, im Unterstände nebeneinander; wohlverbunden Ant besten aber, wenn Sie sich an k. Vinzenz wenden, 
und versorgt. der kann gut deutsch." Nächsten Tag, Punkt 5 Uhr früh, 
im nächsten Brief, der morgen oder übermorgen weg¬ 
gehen wird. 
Hochwürden schreiben mir, ich solle mich nicht so sehr 
fehlten nach einer ordentlichen Offensive. Kennen Hoch¬ 
würden Schillers „Jungfrau von Orleans"? Erinnern 
sich Hochwürden noch an jene Szene, wo sie sich un¬ 
glücklich fühlt, weil sie sich nicht mehr im Kampfe be¬ 
findet. Hochwürden, wo sind die Zeiten Montenegros, 
Serbiens, wo sind die Stunden, die ich oft jeden Abend 
erlebt beim Lagerfeuer? Hochwürden, das ist so etwas 
Schönes, Erhabenes, das zu schildern ist mir unmöglich. 
Seit Belgrad ist in meiner Seele ein Feuer angeflammt, 
das ich nicht mehr löschen kann. Es treibt mich herum. 
Längere Zeit wo sitzen ist für mich eine Pein. Was tu 
ich hier? Andere bedienen. Bin ich deshalb da, um die 
Bequemlichkeit anderer zu unterstützen? Nein! Da mag 
ein anderer gut genug fein. Ein böses Schicksal hält 
mich hier fest. Was soll ich mir in der Stadt anschauen, 
in einer Stadt, wo das Laster in hundert verschiedenerlei 
Gestalten herumrennt und alles zu verschlingen droht. 
Die türkischen Butterbuden? Das „Slca hie“ der Albaner 
weiß ich schon auswendig. Ich kann Hier über manches 
nicht reden, aber in mir hat sich noch ein jeder getäuscht. 
Der Herrgott Hat mir ein Mundzeug gegeben und das 
führ' ich scharf, wenn ich gezwungen bin. Dann teile ich 
moralische Ohrfeigen in meiner Weise aus, daß sie für 
gewöhnlich nicht antworten können. Einen Nacken Habe 
ich schon als Student gehabt und der ist da herunten 
noch etwas stärker geworden. Ein Wunsch durchzieht 
mein ganzes Innere, Kampf gegen Italien. Weg dann 
chnadenbikd Maria Main, 
das Ziel vieler Kriegsprozessionen, 
, a Heinrich Hermes war die Kugel durch das Fleisch stehe ich im Kloster in einem Gang. Auf einmal öffnet sich mit Urlaub. Unserem Korps-Train-Kommandanten sagte 
des Oberschenkels gefahren; auch bte Verwundung des eme Zelle und heraus tritt etn kleiner Mann, P. Vtuzenz? ich dies einmal rundweg ms Gesicht, „Sie sind zn stür- 
' l .0 Katttt ^ ich misch, Zügel anlegen, bremsen!" meinte der gute, alte Herr. 
beichten. »Bitte, Urlaub ist jetzt ein Phantom, eine Fata morgana. 
morgana, 
Der Krieg in der Geschichte: J)te Schlacht an der Hlote« Kgg. 
Besiegung der Schweden durch die Bregenzerwäldlerinnen. (Relief von Feuerstein.) 
Bilder aus Südtirol: Per Foökachsee 
In Albanien. 
Skutari, 30. Mai 1916. 
Ein Kadett einer Gebirgs-Verpslegskolonne schreibt 
an Herrn Volksvereinssekretär Moser: Besten Dank 
für den lieben Brief. Wie nnerforschlich sind die Wege 
Gottes! Hochwürden schreibt von P. Vinzenz. Der ist 
ein guter Bekannter von mir. Ich will nur kurz er¬ 
zählen, wie ich ihn kennen gelernt. Nach dem großen 
elftägigen Marsch (vom 20. April bis 1. Mai) dachte 
ich mir, jetzt ist es doch wohl an der Zeit, deine 
Osterbeichte abzulegen. Gehe nach längerem Hin- 
und Herschwanken, wie ich es am besten machen soll, 
zur Pforte des Franziskanerklosters. Imate Pater oftr 
nemecki snat? (ist ein Pater hier, der deutsch versteht?) 
fragte ich den Portier. „Imate, imate“ (hier) bekam 
ich zur Antwort; führte mich hinauf und lernte zwei 
Pater kennen. Wir sprachen über den serbischen Vor¬ 
marsch, über den Krieg überhaupt, über Musik — 
Heute trifft auf einmal bie Nachricht ein: Arfiero, 
Asmgo gefallen. Unaufhaltsam dringen die nordischen 
Barbaren über die Berge ins seinbliche Lanb Jtalia 
Asiatischer tmb europäischer Grieche
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.