Nr, 39. 
Lonnlag, 31. Gkloöer 
ämämf. ▲▲ 
wenn öu das liebste ^erz verlorst 
Und du es weißt, wo's wohnt und ruht, 
So pflanzest du die Liebe hin 
RI0 immerjunge 6(umenhnt. 
Dorf) niemand ist (o waisenarm 
Und ringt so bitter, daß er's trägt, 
wie eine Seele, die nicht weiß, 
wohin sie ihre Rosen legt. . . 
Karl Vankwart Zroerger 
(slarfjör. uerb.) (iriegsfreumüigcr. 
Gin Kriegsfreiwilliger „Barbar“. 
Ein Erlebnis von der deutschen Südwestfront. 
In den Vogesen war's, in einer wundervollen, mond¬ 
hellen Julinacht, die Franzosen griffen wieder einmal 
an, nachdem sie tagsüber starkes Artilleriefeuer auf unsere 
Schützengräben unterhalten hatten. 
Aber ihr Angriff gelangte nur bis an 
unsere Drahtverhaue. Dort brach er 
zusammen. Wie schon so oft. Unser 
Feuer hatte sehr unter den Feinden 
aufgeräumt; nur ein kleiner Rest 
konnte sich in ihre Schützengräben 
retten. 
Unsere rauhen Kriegerherzen 
wurden ungemein weich und gerührt. 
Keiner von uns „Barbaren" hatte 
ein Gefühl des Hasses, der Rache 
oder der Schadenfreude in seinem 
Herzen gegen jene Unglücklichen, die 
hilflos vor unseren Stellungen lagen, 
nein! Großes, unendlich großes Mit¬ 
leid empfanden wir alle mit diesen 
Feinden. Gerne hätten wir ihnen ge¬ 
holfen. Aber wir konnten nicht, denn 
die zurückgeschlagenen Rothosen feuer¬ 
ten die ganze Nacht hindurch heftig 
zu uns herüber, wohl aus Wut, daß 
ihr Angriff mißglückt war, und un¬ 
bekümmert um ihre eigenen ver¬ 
wundeten hilflosen Kameraden. Gar 
mancher derselben mochte wohl von 
den Kugeln ihrer rücksichtslosen 
Freunde vollends zu Tode getroffen 
worden sein. 
So verstrich langsam die Nacht, 
qualvoll und erschütternd für uns. 
In unserer Kompagnie hatten 
wir einen Kriegsfreiwilligen. Es war 
ein Alumnus, ein gottesfürchtiger, 
wackerer Junge. Er konnte dem 
Schmerzensgestöhne der hilflosen 
Feinde nicht mehr länger zuhören. 
Er faßte den kühnen Entschluß, alle 
noch Lebenden zu bergen, trotz des 
hellen Tages und des feindlichen 
Feuers. Kein Zureden half, ihn von 
seinem lebensgefährlichen Vorhaben 
abzubringen. „Mein Leben steht in 
Gottes Hand", sagte er fest und 
zuversichtlich. Damit stellte er sein 
Gewehr auf die Seite und schwang 
sich vorsichtig über die Brustwehr des 
Schützengrabens. 
Ein heftiger feindlicher Kugelregen empfing ihn. 
Er achtete aber nicht darauf. Mutig kroch er auf allen 
Vieren dahin, mit der Nase den Boden streifend. Mit 
Mühe arbeitete er sich durch unser eigenes Drahthindernis. 
Glücklich erreichte er den jungen französischen Leutnant, 
der jetzt aber nur mehr leise stöhnte. Er packte ihn am 
Arm und kroch dann zurück, ihn langsam nachziehend. 
Die Rothosen wollten den Leutnant offenbar lieber tot 
als in die Gefangenschaft abgeführt sehen, denn sie er¬ 
öffneten jetzt ein wütendes Feuer auf Freund und Feind. 
Aber zum Glück gingen die Geschosse alle zu hoch. 
Endlich hatte unser tapferer Kriegsfreiwilliger mit 
seinem Gefangenen kriechend unseren Graben erreicht. 
Unserer ängstlichen Beklemmung folgte ein freudiges 
Hurra. Vorsichtig hoben wir den Leutnant in den Graben 
herunter, wo wir ihm sofort einen Notverband anlegten. 
Er hatte einen Schuß durch beide Oberschenkel. Wie ein 
kleines Kind weinte er aus Freude über seine Errettung 
aus der entsetzlichen Lage. Stammelnd sagte er dem jungen 
„Barbaren", der ihn errettete, in ziemlich gutem Deutsch 
heißen Dank. 
Unser junger Held ruhte einige Zeit von der großen 
Anstrengung im Schützengraben aus, dann machte er 
sich wieder an sein Rettungswerk. Noch fünf verwundete 
Feinde holte der todesmutige Junge glücklich in unseren 
Graben herein, jedesmal unter den gleich schwierigen 
Verhältnissen, unter heftigem feindlichen Kugelregen. Doch 
zuletzt erreichte ihn das Soldatenschicksal. Leider! Als 
er sich dem letzten noch lebenden Feinde kriechend ge¬ 
nähert hatte, traf ihn eine Kugel in den Kopf. Mit un¬ 
beschreiblichem Schmerze mußten wir beobachten, wie er 
mit beiden Händen nach feinem Kopfe griff und sich auf 
jetzt wieder an den letzten noch lebenden Feind heran¬ 
arbeitete, ihn faßte und mit seiner ganzen Lebenskraft 
zurückschleppte. 
An unserem Schützengraben angelangt, blieb er er¬ 
schöpft liegen. Wir zogen Freund und Feind in unseren 
Graben. 
Unser Kriegsfreiwilliger hatte an 
der linken Kopfseite eine klaffende 
Wunde. Eilig legten wir ihm einen 
Notverband an und labten ihn. Aber 
es dauerte nicht mehr lange mit ihm. 
Sterbend wurde ihm noch das 
„Eiserne" an die Brust geheftet. 
Mit einem glücklichen Lächeln auf 
dasselbe, mit einem Blick nach oben 
uud mit gefalteten Händen hauchte 
er in unseren Armen sein junges 
Heldenleben aus.... Kein Schmer- 
zenslaut kam aus seinem Munde, 
trotz seiner fürchterlichen Wunde. 
Mit leisem Wispelu hatte er von 
uns Abschied genommen, bevor seine 
Heldenseele hinaufzog an jenen Ort, 
wo ihm ewige Glückseligkeit zuteil 
werden wird für seine aufopferungs¬ 
volle, wirklich „barbarische" Tat. 
Im idyllischen Kirchhofe zu M. 
haben wir ihn zu Grabe getragen. 
Eine dunkle Tanne beschirmt sein 
Heldengrab, auf dem duftende Rosen 
und Sonnenblumen prangen. 
Inthronisation des Hochroft. Bifdiofes Dr. Johannes Maria Gföllner von Cinz 
am 18. Oktober 1915. (Phot. Alois Schwarz, Linz.) 
die Seite legte. Regungslos blieb er liegen. Wir alle 
dachten, er hätte den Weg in die Ewigkeit schon ange¬ 
treten. Aber nach längerer Zeit kam wieder Leben in 
seinen Körper — und wie erstaunten wir, als er sich 
Der Soldat der Klalie. 
Eine Linzer Kriegsgeschichte von F. St. 
(Nachdruck verboten.) 
Vorigen Winter war's. Zur Zeit, 
als die österreichischen Heere in Ver¬ 
bindung mit deutschen Truppen nicht 
nur den russischen Ansturm gegen 
die Karpathen abzuwehren, sondern 
auch einen schrecklichen, opfervollen 
Kampf mit dem Bergwinter aus¬ 
zufechten hatten. Ein Mahnruf an 
die Daheimgebliebenen ertönte, durch 
Herstellung und Zusendung von 
Schutzmitteln gegen die Kälte den 
tapferen Soldaten zu helfen — und 
nicht vergebens! Ueberall rührten sich 
fleißige Hände — junge und alte — 
uni) mit vereinten Kräften ward ein 
großartiges Werk der Nächstenliebe 
und des Patriotismus vollbracht. 
Auch in der fünften Klasse einer Linzer Volksschule 
faßen die Mädchen geduldig über ihrer Arbeit und 
freuten sich, wenn wieder eine Wolljacke, eine Schnee¬ 
haube oder warme Socken für die Soldaten zur Ver¬ 
sendung bereit waren. Die Lehrerin hatte ihren ohnehin 
großen Eifer noch durch die Schilderung der Wohltaten 
angespornt, die sie mit ihrer Arbeit den Vaterlands- 
Verteidigern erwiesen. Manches dieser kleinen Mädchen 
dachte beim Stricken an den Vater, den Bruder, die 
den Winter im fernen Karpathenlande durchzumachen 
hatten. 
Endlich war das letzte Stück — und es waren 
deren nicht wenige — fertig. Die Lehrerin legte jeder 
Garnitur einen Zettel bei, welcher die Herkunft der¬ 
selben verriet und dann wurde das Ganze der Feldpost 
übergeben. — 
Es verging längere Zeit, ohne daß die Kinder über 
das Schicksal der Erzeugnisse ihres Fleißes etwas er¬ 
fuhren. Eines Tages jedoch lag eine Karte auf dem 
Tisch der Lehrerin — der Dank eines der Beschenkten. 
Ein Angehöriger des deutschen Heeres war es, ein 
junges Blut ohne Eltern und Geschwister, dem die 
Wohltat, von Fremden erwiesen, tief zu Herzen ge¬ 
gangen war. Sein Dankschreiben an die „Fräulein", 
wie er die Mädchen nannte, erweckte bei diesen jubelnde 
Freude. Sie baten und bettelten für ihn zu Haufe,
        

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