Sonntag, 16. War 
Im Azsokerpich. 
Uzsok ist ein bequemer Ausgangspunkt für Bergpartien 
Polonina - Rowna (1492 Meter), höchster Gipfel des 
Karpathenkammes. 
M iiHKi Uh Die larplöm. 
Im Wiener „Fremdenblatt" lesen wir folgende gute 
Schilderung einer Karpathenüberschreitung im Schnee¬ 
sturm, die ein im Februar aus Trient abgegangenes 
Marsch-(Ersatz-)Bataillon des seit Dezember fast ununter¬ 
brochen kämpfenden Tiroler Landesschützen-Regimentes 
Nr. 1 in bewundernswerter Weise ausgeführt hat: 
.... Nun stehen wir am Fuße des Karpathen¬ 
kammes. Der weiße Rücken verliert sich in schweren Schnee¬ 
wolken. Das Programm für heute lautet: Uebergaug über 
die Karpathen, Trains und Pferde zurücklassen, werden 
auf Umwegen folgen. Eben kommt die Rekognoszierungs¬ 
patrouille irgend eines Regimentes den Hang herunter. 
An uns vorüberkommend, meldet sie, daß der Kamm 
heute nicht passierbar sei; droben tobe ein furchtbarer 
Schneesturm, der meterhohe Schneewände aufgebaut habe 
und nichts Lebendes aus seinem Wirbel lasse; jede Spur 
sei im Nu verweht, Schneebretter brächen unter der ge¬ 
ringsten Last und donnerten als 
Lawinen zu Tal. Die edelweißge¬ 
schmückten Söhne der Berge wollen 
es nicht glauben, ihr Kommandant, 
Hauptmann B., in allen Tücken 
des Gebirgswinters wohlerfahren, 
glaubt es und doch entscheidet er: 
„Wir wollen's versuchen." Die 
operative Lage gebietet unser rasches 
Erscheinen; das Regiment, das 
teure Schützenregiment, braucht 
uns zur Anfüllung seiner gelichteten 
Reihen. 
Schneereifen herunter, Schnee¬ 
brillen vors Auge. Der Anstieg 
beginnt. Ehe wir noch in den tiefsten 
Schnee geraten, gewahren wir das 
eindrucksvollste Zeichen des Krieges: 
die Soldatengräber, geschaufelt auf 
der blutigen Walstatt. Aus dieser 
Rückfallkuppe muß vor Wochen er¬ 
bittert gekämpft worden sein. Ein 
schlichtes Holzkreuz reiht sich an 
das andere. Zartfühlendes Ver¬ 
stehen ließ an manchem Kreuze 
zwei Querbalken entstehen: 
Gräber der orthodoxen Mosko¬ 
witer. Ungelenke Buchstaben 
künden die Namen der Helden, 
die fern der Heimat im Kampfe 
um Kaiser und Reich ihr junges 
Leben verhaucht. Da schleicht 
sich ein Schütz aus den Reihen, 
dort ein zweiter, ein dritter. .. . 
Sie brechen Reisig von den 
Bäumen und flechten es zn 
Kränzen, mit denen die nächsten 
Gräber geschmückt werden. Dann 
wird die Wanderung bergauf 
fortgesetzt. Ein schmaler, grat¬ 
artiger Abhangrücken führt zu 
den Höhen. Noch kündet uns 
das Gebirge nicht seine Wildheit. 
Nur allmählich lernen wir die 
Naturgewalten kennen. Erst 
wirbeln Flocken um unsere 
Häupter, es folgt mancher harte 
Windstoß, der die glitzernden 
Kristalle von den weiten Schnee¬ 
hängen aufzischen läßt wie 
weißen Dampf durch ein ge¬ 
öffnetes Ventil. Diese Kristalle 
beißen und ätzen die Haut, trüben 
die Brillen, rauben den Atem. 
Nach wenigen Sekunden schon 
ist die Windsbraut fortgezogen, 
nach diesen kurzen Proben ihrer 
Kraft, den ganzen Ungestüm 
ihrer Jugend für die sparend, die 
es wagen sollten, in ihr Höhen¬ 
reich einzudringen. Wir wagen es. 
Nun stehen wir knapp unter dem Kamme. Wir wissen 
das, ohne etwas zu sehen. Vor uns türmt sich eine Schnee¬ 
mauer auf. Ihre Höhe ist nicht zu erkennen, denn ihr 
oberer Rand liegt in Rauchschwaden, die, immer dichter 
werdend, pfeilschnell dahinjagen. Der Schnee, von einem 
Orkan gepeitscht, jagt einmal schnurstracks die Hänge 
hinunter, dann wieder windet er sich zu einer imposanten 
Hose empor. Sie zerstiebt und neue weiße Schleier fegen 
über uns hinweg. Dazu das furchtbarste Konzert. Ein¬ 
mal brüllend und tobend, dann wieder pfeifend und 
klagend rasen die entfesselten Elemente über den Kamm. 
Jeder Mann bückt sich, schiebt den Kopf zwischen die 
auf die 
dortigen 
Im Lupko,verpatz. 
Die Strecke Lupkow-Przemysl tritt nach Galizien (aus Ungarn) in einen 
642 Meter langen Tunnel ein; unter diesem Tunnel liegt bte erste 
galizische Station Lupkow. 
fuß des Karpathenrückens. Der Schnee zischt auf und 
zeichnet inmitten des Hexentanzes weißer Flocken neue, 
rasch zerstiebende Konturen. Wir andern wollen der Spur 
der Brettlbewehrten folgen. Sie existiert nicht mehr. Neue 
Stürme haben sie verweht. Also vorwärts, ohne Spur, 
ohne Pfad! Die ersten stürzen, die nächsten sausen, alle 
winden sich in Atemnot. Und doch — es mnß fern! 
Oben das Verderben, unten das Heil für uns und das 
Regiment, das unser harrt. Drum vorwärts, immer vor¬ 
wärts! Einer bricht in verschneiter Mulde ein, ein an¬ 
derer fährt mit niedergehenden Schneemassen ab, ein 
dritter bricht mit verstauchtem Knöchel zusammen xSch 
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müh. Dieser Feind kommt von Nord und Süd, von West 
und Ost. Die Stimme dringt kaum zum Nächststehenden. 
Nur mehr das Beispiel kann leiten. Das Schidetachement 
schnallt die „Brettln" an und nach kurzem Ueberlegeu 
sauft es, einen Südstoß abwartend, in das Tal am Nord- 
Waffenbrüder: Schulter an Schntter. 
Augenblick die Natur in ihrem Rasen inne und ich höre: 
„Söll sollen uns die Russen nachmachen! Die letzten 
Silben verwehen bereits im erneuten Au,schrei der ge- 
FnSitchUtanben wir bei einer Sägemühle nahe der 
Wetlina. Das Bataillon ist kaum 
zu erkennen. Es trägt natürliche 
Schneemasken, von den Bärten 
fließen Eiszapfen nieder. Doch nur 
wenige fehlen. Sie werden kommen. 
Offiziere und Blessiertenträger sind 
noch um sie bemüht in dieser 
Sturmesnot. Am folgenden Tage 
vereinigen wir uns mit_ dem Re¬ 
giments, wenig später fechten die 
Wackeren, Unbezwingbaren bereits 
ihren ersten Strauß mit den Russen. 
...................... « in » « « , '* » ««»« 
Her foitiEtee «Etat. 
In einem entlegenen Orte des 
Eifelgebirges war ein neuer Amts¬ 
diener angestellt worden, der ein 
Muster von Diensteifer zu werden 
versprach. Durch seine Schneidig- 
keit hatte er sich in kurzer Zeit 
Respekt bei den Bauern zu ver- 
Hlr. 15.
        

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