Full text: Illustrierte Kriegsbeilage Nr. 3 1915 (Nr. 3 1915)

Kme prächtige Gruppe „Mierzeyner" vor der Kandeksakademie in Linz. 
(Phot. Schwarz, Linz.) 
Bürger brauchen lassen", obwohl man das Taggeld, 
welches aus der Marktkasse zu zahlen war, von dem 
ursprünglich ausgeworfenen Groschen auf zwei erhöht 
und jedem Mann eine neue Montur zugesichert hatte. 
Bloß ein Mann meldete sich: es war ein Schneider. 
Da aber für den Fall der Nichtlieferung 200 Gulden 
Pönale -4 was heutzutage etwa 2000 Kronen gleich¬ 
kommen würde — angedroht war, so bemüssigte mau 
die im Markte wohnenden Jnleute hiezu, 
unter welchen schließlich, da auch sie nicht 
gehen wollten, das Los entschied." - 
Das Vorstehende ist eine Text- und Stil- 
probe aus der eingangs erwähnten Geschichte 
des Marktes Purgstall. Bei der Abfassung 
dieses Buches hatte der Autor mit erheblichen 
Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Hauptquelle, 
das Schloßarchiv, ist zugrunde gegangen, das 
Gemeindearchiv hat durch Unvernunft einiget 
Gemeindevorstände arg gelitten; auch bis 
älteren Akten, bie sich auf Kirche unb Schule 
bezogen, sind beim Brattbe ber bischöflichen 
Resibenz in Passau 1681 vernichtet worben. 
Um so mehr sinb Fleiß unb Ausbauer bes Ver¬ 
fassers anzuerkennen, ber unter solchen Um¬ 
ständen eine so treffliche Geschichte bes 
Marktes Purgstall geschrieben hat. Das 
k. u. k. Hans-, Hof- unb Staatsarchiv, bas 
Archiv ber k. k. Statthalterei, bas nieber« 
österreichische Lanbesarchiv, bie Archive bes 
Ministeriums bes Innern, bes Finanz- unb 
Kriegsministeriums, bas königl. bayrische 
Reichsarchiv, bas St. Pölteuer Diözesauarchiv 
unb zahlreiche Privatarchive würben benützt, 
unb so gestaltete sich bas Werk zu einer Art 
Mosaikarbeit ans Quellenstellen, bie ber Verfasser 
verständnisvoll gruppierte unb oerbanb. Wenn auch 
fast nur aus Originalquellen geschöpft würbe, so blieb 
boch auch bie einschlägige Literatur nicht unberück¬ 
sichtigt. Die Lokalgeschichte gewinnt an Interesse burch 
ben breiten, Welt- unb kulturgeschichtlichen Rahmen, 
ber sie umgibt. Das bis in bie neuere Zeit herein so 
wichtige Lehenswesen, bie Schulverhältnisse früherer 
Zeit, Kleibnng, Nahrung, Gelbwefen, Maße unb Ge¬ 
wichte, bas Gerichts¬ 
wesen unb bas Heer¬ 
wesen sinb an pas- 
senber Stelle nicht 
bloß mit Beschrän¬ 
kung auf Purgstall 
behanbelt. Ein gutes 
Register erleichtert 
bie Benützung bes 
Buches. 
Die Geschichte 
Purgstaüs ist an¬ 
regend geschrieben 
unb bürste manchen 
Lehrer unb Seel¬ 
sorger zu ähnlichen 
Arbeitenveranlassen. 
Unb bas ist wichtig! 
Nur burch berartige 
Detailforschungen 
läßt sich jenes Ma¬ 
terial möglichst lü¬ 
ckenlos gewinnen, 
bessert eine vollstän¬ 
dige unb genaue 
Landeskunde bedarf. Schachingers Buch gehört in alle 
Pfarr- nnb Schulbibliothekeit unb ist gewiß auch für 
jeden Freund heimatlicher Geschichte eine willkom¬ 
mene Gabe. Dr. S. H. 
Radetzky. 
Rabetzkh-Marsch! Da strammen sich bie Rücken 
Uttb alte Beine schreiten jünger aus, 
Unsere Gegner: Schießübungen der serbischen Infanterie. 
Die Kinder laufen, auch bas kleinste Kücken, 
Besessen auf bie Straße, unb im Haus 
Ist überall ein Summen, Trommeln, Pfeifen, 
Als ob bie Welt verrückt geworben wär'. 
Der Frembe staunt unb kann es nicht begreifen, 
Der Oesterteicher aber merkt's nicht mehr. 
Der Vater hat's ja g'radeso getrieben, 
Wann immer ber Rabetzky-Marsch erscholl, 
Hesterreichisches Militär aller Waffengattungen. 
Mnsere Werbnndeten: Sultan Muhamed V 
Unb Großvater hat sterbend aufgeschrieben. 
Daß man an seinem Grab ihn spielen soll. 
Der alte Hanptmaun faltet gar bie Hände, 
Hört auf zu fluchen und wirb still unb weich . . . 
„Vater Rabetzky" . . . Das ist bie Legenbe 
Vom lieben, alten, großen Oesterreich. 
Wilh. Freiherr b. Appel. 
in ” 
Ant 7. November nahm die Brigabe, 
bei ber auch ein Bataillon bes Beszterezer 
63. Infanterieregiments eingeteilt war, eine 
Verschiebung ihrer Gruppierung vor. Das 
Bataillon, von Hauptmann Ott befehligt, 
hatte bie Aufgabe erhalten, biese Verschiebung 
zu becken nnb sich hiezu ber Höhen nördlich 
von R... zu bemächtigen. Noch ehe bas 
Bataillon ben Höhenkamm erreichen konnte, 
war jeboch der Gegner in Ueberzahl her¬ 
vorgebrochen, hatte sich festgesetzt unb bas 
Bataillon nicht nur mit Jnfanteriefener zu 
überschütten begonnen, sondern auch drei 
Maschinengewehrabteilungen in Tätigkeit ge¬ 
bracht. Die Sage für bas Bataillon Ott war 
überaus kritisch geworben. Es verfügte nur 
über eine Mafchinengewehrabteilung, aber 
sie brachte bent bebrängten Bataillon, nicht 
nur Rettung, fonbern auch einen vollen Er¬ 
folg. Blitzschnell bie Sage erfaffenb, hatte 
Oberleutnant Georg Rimbas, ber Kont- 
maitbattt ber Maschinengewehrabteilung, 
eilten seitwärts gelegenen Wasserriß entdeckt, 
von bem ans eilte flanfierenbe Wirkung 
gegen bett Feinb möglich war. Es gelang ihm 
rasch nnb vorn Gegner ungesehen, seine Maschinen¬ 
gewehre in bem Wasserriß aufzustellen. Unb nun fanbte 
ber Oberleutnant, ein Gewehr selbst bebienenb, in 
rasenber Aufeinanderfolge Sage auf Sage in bie Sinien 
ber Russen. Die Höhen wurden bont Bataillon 
genommen unb ber Gegner geworfen. Währeub 
er sich in Uitorbnung zurückzog, grub sich bas Bataillon 
rasch in bie gewonnene Stellung ein. Die Vorsicht er¬ 
wies sich alsbalb als 
notwenbig, bettn 
kaum hatten sich bie 
Russen wieber ge¬ 
sammelt unb sich 
von neuem verstärkt, 
als sie auch sogleich 
einen Angriff zur 
Wieb ererob eutitg b er 
Höhen unternahmen. 
Aber unter bent 
Feuer bes Batail¬ 
lons in ber Front 
unb dem Flanken¬ 
feuer unserer Ma¬ 
schinengewehre, die 
ber Gegner nicht 
zu entbecken ver¬ 
mocht hatte, brach 
ber Angriff - 
zwanzig Schritte 
vor feinem Ziele 
— zusammen. Wie¬ 
ber fluteten bie Rus¬ 
sen unter Zurück-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.