Full text: Kriegsbilder Nr. 41 1917 (Nr. 41 1917)

Stapellavf S. M. Panzerkreuzer „Graf Spee": 
Die Gräfin Spee mit ihrer Tochter auf der Bauwerft. 
„Zwanzig Soldaten!" sagte Schaljakin ein wenig verwirrt, „tum... 
Bruder, diese Soldaten sind dir unterstellt. Wenn'du alK ihr Anführer 
ihnen einen Wink gibst, so werden fie nach Hause gehen." 
„Und meinen Verrat dem General melden!" schrie Konstantin. 
„Und wenn die Flucht schief gehen sollte, dann bin ich verloren! Nein, 
das kannst du nicht verlangen! Also, komm mit!" 
„Wenn das deine ganze Furcht ist," sagte Schaljakin lächelnd, „so 
weiß tdj Rat. Wir nehmen die Soldaten einfach mit!" 
Die beiden starrten ihn verblüfft an. 
»Ja, ja," sagte er erklärend, „die Sache ist doch ganz einfach. 
Hier nehme ich einen Tausend rubelschein den wechseln wir im Vorbei¬ 
gehen im Cafe ein. Das gibt für jeden der Soldaten 50 RuM. 
Und dann geben wir mit ihnen nach Deutschland. Was meint ihr 
dazu?" ' ^ 
„Und der General?" fragte der Oberleutnant kleinlaut. 
„Der General. . . soweit ich ihn kenne, wirb er bereits ähnliche 
Pläne im Kopf haben ... ich denke, wir werden ihn heute nachmittag 
als Mitgefangenen begrüßen köünen. Und sollten wir Gelegenheit haben, 
einen Blick in. seine Tasche zu werfen, so dürste fich darin der Rest der 
Kriegskasse befinden." 
„Bielleicht," unterbrach ihn der Hauptmann, „wird er auch das 
Geld zuvor per Post an seine Frau schicke«." 
„Auch möglich. Ich jedenfalls bin der Meinung, daß das Geld 
unter der preußischen Obhut sicherer ist als bei der russischen Post." 
„Wenn ich also bitten . räusPSNe sich der Hauptmann und 
blickte sehnsüchtig auf den Tisch. Leutnant Schaljakin sprang diensteifrig 
hinzu und machte drei gleiche Banknotenhaufchen zurecht, die die drei 
einsteckten. „Und jetzt rufe deine Soldaten." 
Und während der junge Tag graute, setzte fich der Trupp in Be¬ 
wegung. Vorn die drei Offiziere, hinter ihnen iu Reih und Glied die 
zwanzig Soldaten. Sie marschierte auf den Zehenspitzen, fast lautlos, 
tu der Richtung nach Westen, zu den deutschen Feinden ... 
§«?Sitzung desHcmpiausfchltffes im Reichstag. DerNetchsranZler <i>, 
taatssekretSr von Kutzlmann (2), LMerstaakssekretür von GrKvenitz (3) und Unter- 
staatssekretäv von dem Busfche. (4) verlassen den Reichstag nach der Sitzung. 
mußt es ja wissen, denn zu dir sind sie gelaufen gekommen. Konstantin, mit 
den frisch geöffneten Konservenbüchsen. Was haben fie darin gefunden?" 
„Sand," erwiderte Oberleutnant Konstantin. 
„Und du hast kein Herz für diese armen Kerle, Konstaktin? Du 
möchtest ihnen nicht zu effeu kaufen, ihnen von dem Gelde abgeben, das 
in unsere Hände gesalleg ist, und das uns und ihnen gehört?" 
„Du sprichst immer davon," sagte Oberleutnant Konstantin nach 
einer Pause mit uusicherer Stimme, .du wolltest das Geld mit uns 
teilen. Wo ist denn das Geld? Zeige es uns !" 
Leutnant Schaljakin zog ein Portefeuille aus der Brusttasche, entnahm 
ihm ein Bündel Banknoten, fächerte sie mit den Fingern auseinander 
wie ein Kartenspiel und warf sie auf den Tisch. „Zählt selbst nach. Es 
find einhundertzwei Banknoten ä tauseud Rubel. Das macht auf' jeden 
von uns vierunddreißigtausend Rubel. Wenn ihr vernünftig sein wollt." 
„Und dann?" fragte der Oberleutnant scharf. „Und dann? Was 
soll werden? Was wird' der General sagen?" 
„Der General —" sagte Schaljakin nachdenklich, »der darf uns 
natürlich nicht wiedersehen." 
„Wie stellst du dir das vor!" schrie Konstantin wütend. „Sollen 
wir auf und davon fliegen?"" 
„Laßt mich mal reoen," sagte der Hauptmann. „Ich habe eine 
Idee. Die Straße hier vis-ä-vis Schaljakins Wohnung läuft schnür- 
gerade nach Westen. Direkt in das feindliche Lager. Wenn wir' drei 
die Straße hinunterschlendem, immer weiter, so kommen wir schließlich 
an die feindlichen Vorposten, die uns prompt gefangen nehmen werden. 
Dann schicken sie uns nach Berlin. Dort werden wir umsonst verpflegt; und 
wenn der Krieg aus ist, haben wir jeder dreißigtausend Rubel in der Tasche. 
Der Oberleutnant schüttelte lächelnd den Kopf. »Du vergißt eines," 
sagte er. „Es ist nämlich noch etwas anderes," wandte er fich an 
Schaljakin, »was wir dir noch nichtgesagt haben. Unten auf der Stz-aße 
stehen zwanzig Soldaten, vor deinem Hause zehn, hinter deinem Hause 
zehn.' Sie haben dich wohl hineingelassen, heraus kommst du aber nichts" 
Berlin „ohne Msnner"! Kundgebung vor dem Reichstag zu Ehren Hmdendurgs. 
Die Menge beim Erscheinen von Fliegern, die Aufrufe für die Kriegsanleihe abwarfer!. 
^Groß.)
	        

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