Full text: Der Inn-Salzachgau 46. Heft 1938 (46. Heft / 1938)

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Mhere Wallfahrtszüge nach Altötting. 
von StaatSarchivüirektor vr. A. MMcrwiefcr,, München 
(2. Fortsetzung.) 
2. Die Züge der anderen Re gier un g s städ te 
Straubing, München, Burg Hausen. 
Aber die Landshuter Wallfahrt sind wir also am besten un 
terrichtet. Ich habe sie als Typus des Ganzen wegen des 
guten Ouellenmaterials etwas ausführlicher behandelt. Wir 
brauchen denn bei den drei anderen Regierungsstädten nicht 
mehr lange zu verweilen. Ein Hofkammerakt im Münchener 
Kreisarchiv 1 unterrichtet uns verhältnismäßig gut über die 
Wallfahrtszüge der Stadt Straubing. Als dort i. I. 1593 
eine Bruderschaft 11. L. Fr. von Altötting gegründet worden 
war, machte sich dieselbe gleich im Jahre darauf zum erstenmale 
auf den Weg nach Altötting. Bis zur Säkularisation, also zwei 
Jahrhunderte lang, hat diese Stadt den alle vier.Iahre 
wiederkehrenden Zug abgehalten. Keine der Reglerungsstädte hat, 
wiewohl Straubing nicht den kürzesten Weg hatte, so regelmäßig 
ihre Termine eingehalten. Im Jahre 1633 hätte der Zug wieder 
getroffen; man konnte wegen des Schwedeneinfalls erst im 
September 1635 ziehen, kam aber dann schon wieder 1637 und 
1641, so daß der Abstand von je vier Jahren ab 1597 wieder 
ziemlich eingehalten war. Erst der Spanische, Österreichische und 
Bayerische Erbfolgekrieg, welche die Ebenen zwischen Donau 
und Inn immer in Mitleidenschaft zogen, brachten Verschie 
bungen dieser Iahrvierte. Statt 1703, 1743 bzw. 1778 machte 
man sich erst 1709, 1746 bzw. 1780 wieder auf den Weg und 
berechnete dann das Iahrviert immer von diesem letzteren statt 
von dem ausgefallenen an. Regelmäßig waren die Straubin- 
ger auch immer mit der Jahreszeit. Ende April, also zwischen 
Ostern und Pfingsten, zwischen Aussaat und dem ersten Gras 
schnitt, wenn die Natur sich ins Brautkleid geworfen hatte, 
machte man sich anfangs auf den Weg. Bald wurde die Pfingst- 
woche daraus, die dann mit großer Regelmäßigkeit eingehalten 
wurde. Immer „am Montag in den Pfingstfeiern" beschritt man 
die Bahn und kam am Mittwoch nachmittags oder abends in 
Altötting an. Am nächsten Morgen verließ man über Neu- 
1) G.R. 3855 ad 48.
	        
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