Full text: Der Inn-Isengau 34. Heft 1933 (34. Heft / 1933)

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Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Herren von Tauff- 
Kirchen-Guttenburg zu ihren Herren, den Grafen* von 
Kraiburg, standen. 
Kraiburg war die Residenz des mit der Markgraf 
schaft Istrien bekleideten Zweiges des Hauses Ortenburg^ 
Die Ortenburger hatten an diesem ihrem Hofe, wie die 
Urkunden des 12. Jahrhunderts zeigen^, eine Reihe von 
Ministerialen^. Sobald diese Dienstmannen in einer 
Zeit, in der sie sich wirtschaftlich mehr und mehr ver 
selbständigt haben, aus dem ursprünglichen Aufgabenkreis 
der Ministerialität, dem kriegerischen Reiterdienst und 
dem höfischen Haus- und Burgendienst, ausscheiden und 
ihre Tätigkeit als Verwaltungsbeamte auf den grund- 
1) Die Herren von Kraiburg werden bald als Grafen, bald 
als Markgrafen und Pfalzgrafen von Kraiburg bezeichnet. Die 
beiden letzten Titel beziehen sich auf die bagerische Pfalzgrafschaft, 
welche Graf Napoto II. und Aapoto III. von Kraiburg innehatten 
(vgl. Pius Wittmann, Die Pfalzgrafen von Bagern, 1877) und 
auf die Markgrafschaft Istrien. Infolgedessen wurde auch das 
Gebiet um Kraiburg als Grafschaft bezeichnet. Es lassen sich 
indessen Grafschaftsrechte hier nicht sicher nachweisen- es hat daher 
der mit den bagerisch-dsterreichischen Herrschaftverhältnissen vertraute 
Wiener Forscher Ernst Klebet (Zeitschrift für bagerische Landes 
geschichte, Ig. 1930, G. 63 ff.) erstmals Bedenken gegen die An 
nahme einer Grafschaft Kraiburg erhoben und will mit guten 
Gründen hier nur eine Herrschaft im bagerischen Aechtssinne (Uber 
den Begriff der Herrschaft vgl. Klebet S. 32) ; sehen, als die das 
Gebiet auch später, nachdem Kraiburg herzogliches Pflegegericht 
geworden war, bezeichnet wird. In unserem Zusammenhang kommt 
dieser Frage keine ausschlaggebende Bedeutung zu. 
2) Lieber das Haus Ortenburg vgl. I. F. Huschberg, Ge 
schichte des herzoglichen rmd gräflichen Gesamthauses Ortenburg 
(1828),- p. Wittmann, a. a. O. 
3 ) Vgl. Baumburger Traditionen (MB III). 
4 ) Lieber die Entstehung und rechtliche Bedeutung der Mini- 
sterialität vgl. bes. A. v. Fürth, Die Ministerialen (1836),- Keutgen, 
Die Entstehung der deutschen Ministerialität - Vierteljahreöschrift 
für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (1910)- A. Schulte, Der 
Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter (1910)- Stengel, 
Lieber den Lirsprung der Ministerialität, - Kehr-Festschrift (1926), 
S. 168 ff.- v. Zallinger, Ministeriales und Milites (1930); 
für die bagerisch-österreichischen ^Rechtsverhältnisse bes. p. Kluck- 
hohn. Die Ministerialität in Südostdeutschland vom zehnten 
bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts, - Zeumers Quellen 
und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in 
Mittelalter und Neuzeit, Bd. IV, H. 1 (1910),
	        

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