Humoreske von Rose Bruyn.
Autor- Uebersetzung von Olga Fröhlich.
Illustriert von O- Schendel-
K J. •-Vrpy Tier ölte
.. r . einige Äa=
flttel daraus vorzulesen.
Dies wurde Frau Ellen recht schwer, und
sie kam nur langsam damit .vorwärts, denn,
me sehr sie sich auch anstrengte, so konnte
ste doch nicht so laut lesen, daß sie Äens'
Ctohnen übertönte.
. , „Sens* —1 — — Jens, Du könntest Dich
doch gern etwas mehr zusammennehmen, da¬
mit Du wenigstens etwas von Gottes Wort
horst Du könntest es wirklich gut ge¬
brauchen, Du armer Kerl so, so, hör'
nun zu," und Ellen machte sich wieder dran,!
»die Speisung der .Fünftausend" vorzulesen.
Jens fing wieder an zu jammern, doch
>mch und nach wurde er ruhiger, und zuletzt
verrieten nur noch einige tiefe Seufzer, daß
65 lhm nicht gerade zum besten ging.
„Ellen ich glaube wirklich, daß es
mit mir zu Ende geht. — Ich danke Dir,
M Du mir noch Gottes Wort mit auf
,n_ Weg geben wolltest, ich habe zwar nicht
m davon gehört, aber ich glaube doch, es
m Mir gut getan, denn das Fieber hat
ichon etwas nachgelassen. Was hast Du mit
Eigentlich vorgelesen, Ellen?"
„Es mar Hie Speisung der 'Fünftausend
in der Wüste."
„Ach ja, das war's ja äuchi, ich meinte
doch, es war von FiMn die Rede. — —
Hör' Ellen, es wäre garnicht so übel, wenn
man einen Mund voll Fisch* bekäme? Wenn
Du das Mädchen zum Fisch« Lars hinüber
laufen ließest, könnte es ja fein, daß er et¬
was Dorsch oder Flundern im Faß hätte-
— Ach, ja, es war doch wirklich sonderbar,
daß die paar Fische für alle die vielen Men¬
schen reichten. — Glaubst Du, Mutter, dah
sie Kartoffeln und ,'Sauce dazu bekamen?"
Ellen schlug das Buch zu und legte es
in die Komodenschublade, die sie heftig p*
schob.
„Du bist doch auch ein richtiger Fretz-
sack, Jens, kaum hast Du aufgehört zu jam¬
mern, so willst Du wieder etwas in Deinen
Schlund haben, und dabei dachte ich, es ginge
Dir so schlecht, daß Du bald den letzten Atem¬
zug tätest! — Oh, Äens, Du bist doch auch
zu weltlich. Denk' doch daran, daß Du bald
von hier fort mußt und an einen Ort kommst,
wo man nicht an Essen und Trinken denkt,
sondern wo Du zu einem Engel Gottes wirst,
der nicht unsere irdischen Bedürfnisse kennt."
„Glaubst Du, Ellen, daß ich alter Kerl
solch ein richtiger geschwinder, Heiner Engel
werden kann?"
„Ja warum denn nicht — es sind si¬
cher auch alte, gesetzte Leute Deines Schla¬
ges darunter, und wenn Du auch nicht so
„geschwind" wirst, so wirst Du dann doch si¬
cher etwas luftiger: aber ich glaube nicht,
daß es dort Fisch mit Kartoffeln und Sauce
dazu gibt."
Jens, der im Begriff ist, einzuschlafen,
faltet die Hänide und sagt: „Mutter, ich
möchte doch lieber etwas weniger luftig unld
geschwind sein, wenn ich statt dessen nur et¬
was Gutes zu essen hätte."
In der Nacht wurde es immer schlimmer
mit Jens. Ellen muhte aBfstehen und Sa?