Volltext: Der Naturarzt 1882 (1882)

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Schweres Nervenleiden (Hemicrania), 
durch die Hände mehrer medizinisch er Ob er-Ob er re. o hn e Besse 
rung, geschweige Heilung gegangen, welche erst durch eine nwdisizirte 
hydrodiätetische Behandlung erfolgte! 
Eine lehrreiche Krankengeschichte vom Herausgeber. 
(Fortsetzung.) 
Der 3. Brief vom 11. Januar lautete: 
— Epistola lamentationis secimda! — 
„Heute schreibe ich Ihnen durch die Hand meiner Frau, weil ich nicht nur 
im Bette liege, sondern auch — halb blind bin und daher nicht selbst schreiben 
kann. Es scheint mir dieses Ereignis der Schluß des ersten Aktes der tragischen 
Oper zu sein, deren 4wöchentliche Ouvertüre so vielversprechend war! Daß ich 
mich während des Verlaufes dieses wöchentlichen ersten Aktes passabel wohl 
befunden habe, werden Sie wieder ganz richtig aus meinem Stillschweigen ge 
schlossen haben. Seit dem letzten Scharmützel habe ich nicht nur keine Diar 
rhoe mehr gehabt, sondern der Stuhl war immer fest und sogar Neigung 
zur Verstopfung vorhanden, so daß ich mit den Sitzbädern fortfuhr. Die un 
angenehmen, meist in der Nacht auftretenden sexuellen Erscheinungen, welche Sie 
zum Teil der Wirkung der Sitzbäder zuschreiben, habe ich mit diesen natürlich 
in Kauf nehmen müssen, weil auch das von Ihnen angegebene Mittel Nichts 
geholfen hat. — Dagegen habe ich die vergangenen 3 Wochen weder 
Migraine noch neuralgische Kopfschmerzen gehabt, war immer 
bei gutem Appetit, habe meistens gut geschlafen und Tages über nur über ein 
allgemeines Schwächegefühl zu klagen gehabt, außerdem haben sich die anfangs 
h e r u m z i e h e n d e n rheumatischen Schmerzen im rechten Oberarmgelenk 
derart festgesetzt, daß ich seit 3 Wochen den rechten Arm nur schwer und 
unter Schmerzen gebrauchen kann! Nun aber was Neues! Vergangenen 
Freitag bildete sich plötzlich über dem linken Auge e i n A b s e e ß. Ich beachtete 
denselben anfangs nicht, sondern machte meine Kur ruhig weiter und auch die 
Promenade, trotz der inzwischen eingetretenen Kälte. Am Sonntag jedoch hatte 
der Absceß eine solche Größe erreicht, daß beide Augenlider durch die Ent 
zündung stark angeschwollen waren und das Auge ganz geschlossen wurde. 
Außerdem wuchsen gegen Abend die Schmerzen nicht nur im Abseeß, 
sondern verbreiteten sich auch über die ganze linke G e s i ch ts s e i t e , die 
Ohrspeicheldrüsen waren geschwollen, die obere und untere 
Zahnreihe sowie auch die Ohren schmerzten stark und schließlich gesellten 
sich noch Fieberschauer und das Gefühl allgemeinen Unwohlseins, sowie dumpfe 
Kopfschmerzen hinzu! Ich war infolgedessen gezwungen, zu Bette zu gehen und 
die Kur zu unterbrechen. Meine Frau machte mir fleißig feuchte lauwarme Um 
schlüge von Leinmehlbrei (?), um den Prozeß zu beschleunigen, nach und nach 
wurde jedoch infolge der Eiteransammlung die Spannung und der Druck auf dem 
linken Augapfel so groß, daß ich es nicht mehr aushalten konnte und um den 
Arzt schickte, welcher durch einen Schnitt und teilweises Ausdrücken des Ab- 
scesses einige Erleichterung verschaffte. Ich habe nun bereits 2 Nächte mit 
starken Schmerzen nahezu gänzlich schlaflos verbracht, die vergangene Nacht war 
auch Fieberhitze vorhanden. Trotzdem mit den lauen Breiumschlägen fleißig 
fortgefahren wird, geht der Prozeß doch sehr langsam vor sich und ich 
muß auch das rechte Auge meist geschlossen halten, weil dasselbe sonst infolge 
der ungewöhnlichen Anstrengung beim Sehen mit einem Auge leicht vorüber 
gehend erblindet. Haben Sie nun die Güte, mir umgehend mitzuteilen, wie
	        
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