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dies Alles sind Faktoren, von denen kein einziger ohne Wirkung auf den mensch
lichen Organismus ist und die Summe derselben bedingt eben die wunder
bare und spezifische Heilkraft der Nordseeluft."
Vers, sagt nun ferner wörtlich, was man sich wohl merken sollte:
..Wer eine solche leugnet, der kennt sie nicht, wer sie aber kennt, der wird
auch von vornherein vor dem Irrtum warnen, daß diese Kombination
mächtiger Faktoren leichthin zu taxiren und von Jedermann ungestraft
zu genießen sei. In ihrer Mächtigkeit bildet dieselbe für manche Krankheitszu
stände das größte und wirksamste Heilmittel, für andere und entgegengesetzte
Krankheitszustände ist sie dagegen geradezu als nachteilig zu betrachten. Zu
den ersteren gehören Schwäche zu stände mannigfacher Art und insonderheit
solche, welche als direkte, vom Nervensystem ausgehende, zu bezeichnen sind;
zu den letzteren zählen im allgemeinen diejenigen Zustände, welche durch ein
Übermaß an Leistungsfähigkeit der organischen Funktionen ausgezeichnet sind
und sich in zu reichlicher Blut- und Gewebsbildung oder in der Produktion
bösartiger Neubildungen (Sarcom — Fleischgeschwulst, Kareinom — Krebsge
schwulst) aussprechen. Daß diese bösartigen Neubildungen nach der Beobachtung
der ansässigen Ärzte bei den Inselbewohnern relativ häufig vorkommen, bedarf
der nachdrücklichsten Hervorhebung."
Im Kap. 3 werden scrophulosis, phthisis pulmonum und arthritis
deformans (chron. Gelenkrheumatismus), 3 Krankheitsformen, besprochen, durch
deren Beseitigung die Nordseeluft ihre wunderbare Heilkraft bestätige.
Bei scrophulosis liege der klinische Ausdruck in der allgemeinen
Schwäche oder der m an g eln d en Widerstandskraft der betr. Kinder
gegen irgend welche Schädlichkeiten. Bis jetzt stand bei diesen beiden die
warme Soole in gutem Rufe, doch wurde der für skrophulose Kinder so oft
erforderliche tonisirende Effekt der Behandlungsmethode durch dieselbe allein ohne
gleichzeitig kühle Douchen nicht erreicht, die Nordseeluftkur verbinde da
gegen mit dem Effekt der Reizung des Hautnervensystems sofort den der Toni-
sirung, der Erhöhung der Widerstandskraft.
Bei 2, phthisis pulmonum (Lungenschwindsucht) sagt der Vers., daß phthisis
und phthisis noch so sehr als gleichbedeutend betrachtet werden, daß damit ein
Fortschritt in der Behandlung dieses weitverbreitetsten aller Krankheitsprozesse
ein für allemal unmöglich gemacht werde. Bon den konstitutionellen Verhält
nissen der Kranken oder den ätiologischen Momenten des Erkrankens sei selten
die Rede und diese geben doch vorzugsweise die Indikation für die Therapie.
An dieser Unklarheit in der Auseinandersetzung der verschiedenen
Formen des phthisischen Prozesses leiden auch alle Berichte aus den bisher be
kannten sog. Schwindsuchtsstationen Deutschlands und der Schweiz und ehe diese
Unklarheit nicht aufhöre, werde mau nicht viel weiter kommen!
Vers, unterscheidet nun 2 Hauptformen: a. eine fibro matöse Form,
welche allmählich zur Entstehung bronchektatischer Kavernen führe, h. eine chro
nische entzündliche Form, welche zur Bildung käsiger Massen und Ge-
websneerose führe, auch käsige Phthisis genannt, mit drei verschiedenen
Modifikationen:
1. die katarrhalische Phthisis,
2. die chronisch-pneumonische Form,
3. die skrophulose Phthisis,
e. die dritte Hauptform ist die rein tuberkulöse.
Prof. Ben eke sagt nun: das sind die verschiedenen Formen der Lungenphthisis
und ohne eine solche Scheidung kann ich mir die Lehre von der Phthisis nicht