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völlig, sondern fördert auch größere in Substanz zu Tage. Geweis:
das weiter unten angeführte BeispielJ.
Noch größere Knochensplitter oder eingedrungene schwere, fremde
Körper, wie z. B. Bleikugeln, Eisensplitter, werden, wenn sie nicht
den sofortigen Tod bewirkten, sich in den meisten Fällen auch ohne
Trepanation mechanisch entfernen lassen. Daß eine solche Entfernung
aber nicht absolut nöthig und auch nicht immer thunlich, beweisen ein—
zelne Fälle, wo in's Gehirn eingedrungene Kugeln bis zu dem weit
später aus anderer Ursache erfolgen Tode des betreffenden Subjektes
—
Sollte momentan der Sitz dieser fremden Körper nicht zu ent—
decken sein, so verbietet sich die Trepanation vorläufig von selbst als
eine für unsicheres Umhertappen viel zu gefährliche Operation und
die ersten drei Tage der von uns empfohlenen Wasserbehandlung wer—
den den fraglichen Sitz mit Sicherheit erkennen lassen, die Folge-Zu—
fälle aber sicherer beseitigen, als die Trepanation, welche vielmehr
selbst dergleichen herbeiführt ..
Moöoge hier das oben zitirte Beispiel, welches wir der mündlichen
Mittheilung des behandelnden Arztes verdanken, Platz finden.
In F. war ein Maurer so unglücklich vom Gerüst auf's Pflaster
gestürzt, daß sowohl die äußere als innere Knochen-Tafel zerschmettert
war, einzelne Splitter aber sich seitwärts unter die innere Tafel geschoben
hatten (Hirnschalbruch mit Eindruck“). Von Zzwei herbeigerufenen
Aerzten erklärte der eine die Trepanation zur Rettung des Kranken
für unumgänglich, der andere dieselbe Operation für tödtlich. Man
vereinigte sich endlich dahin, den Dr. W. zum Schiedsrichter anzu—
rufen. Derselbe erklaͤrte sich ebenfalls gegen die Trepanation, aber
ebenso gegen die gewöhnliche allöopathisch-chirurgische Behandlung, na—
menilich gegen die vorgeschlagenen Blutentziehungen am Kopfe. „Lassen
Sie uns einmal sehen, meine Herren,“ sagte er, „was die kalten
Umschläge vermögen.“ Die Behandlung wurde dem Dr. W. über—
geben, und die kalten Umschläge brachten in zwei Monaten die völlige
Heilung des Patienten zu Wege. Mehrere größere Knochensplitter
wurden durch die Eiterung in Substanz zu Tage gefördert, während
angenommen werden muß, daß viele kleinere durch den Eiter selbst
macerirt wurden. Dr. W. meinte, er halte es für sicher, daß der
Schädelknochen an der zerschmetterten Stelle binnen Jahr und Tag
die ursprüngliche' Stärke wieder erlangt haben werde.
(Schluß folgt)
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