Volltext: Der Naturarzt 1863 (1863)

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Verbindung, zur rechten Zeit und am rechten Orte auf uns 
anwenden und ihre Wirksamkeit darauf richten, daß bei Ueber- 
fluß — Entziehung, bei Mangel — Zusatz, bei zu viel Wärme 
Kälte, bei zu viel Kälte — Wärme, bei Trägheit — Bewegung, 
bei fieberhafter Aufregung — Ruhe, bei Schwäche — Stär 
kung, bei zu viel Feuchtigkeit — Trockenheit, bei allzu viel Fe 
stigkeit und Härte— Flüssigkeits-Zufuhr re. herbeigeführt werde. 
Eine Entziehungskur mit gleichzeitiger Kräftigung, — 
eine Diät mit Herabstimmung, — eine Läuterung der Säfte, 
durch Abschneiden der Zufuhr zu neuen Säfteentmischungen, 
— Kälte und Wärme re. — (feuchte Wärme als Grundprin 
cip jedes Wachsthums und Bildungsprocesses) diese Verbin 
dungen und Combinationen, diese Modificationen nach den 
verschiedensten Seiten hin sind es, welche die einfachsten Mittel zu 
den wahrsten, eigentlichsten und unschädlichenHeilmethoden bilden. 
Diese einfache Heilung der Krankheiten oder naturgemäße 
Pflege des Körpers gleicht den Grundsätzen, die der Gärtner 
bei Behandlung seiner Gewächse anwendet. Er schneidet die 
überlastenden Ausschüsse ab, — die trockene Pflanze wird be 
gossen, die allzu feuchte trocken gelegt, die Tropenpflanze be 
kommt mehr Licht und Wärme, die nordische" Seeblume mehr 
Feuchte und Kühle. So erhält er einen Flor von immer 
grünen und gesunden Gewächsen, auch Kinder der Natur — 
durch Mittel der Natur erzogen, gepflegt und erhalten. 
Aber noch ein anderer Punkt ist es, ver den Naturheil 
mitteln einen Vorrang einräumt vor den Kunstheilmitteln. 
In dieser Beziehung führt der Dr. Steinbacher in seinem 
früher bezeichneten Werke wörtlich an: 
„Ist der krankhafte Organismus durch verschiedene Me- 
dicamente nothdürstig reparirt, — hat man wie an einer Uhr, 
die zu spät und zu langsam geht, zu dem alten Gewichte noch 
ein neues zugelegt: er bleibt verstimmt, und für alle Folge 
muß immer mehr noch künstlich zugegeben werden. Dies und 
Jenes ist zu meiden. Diese Speise, jener Trank, Hitze und 
Kälte müssen strengstens für alle Folge vermieden werden, 
— sonst ist das alte Leiden wieder da, wie wenn man von 
der Uhr das beigegebene Gewicht wieder wegnimmt, sie auch 
nicht mehr richtig geht. — Dies aber ist keine vollkommene 
Heilung, sondern nur die nothdürftigste Reparatur und 
Flickwerk." 
„Anders aber ist es, wenn man statt nur die Uhr durch 
ein zugefügtes Gewicht zu belasten, wodurch die Räder noch 
mehr ausgerieben werden und allmälig und oft bald schon 
sich vollkommen abnutzen, -— derselben ein neues Trieb- und 
Steigrad, neue Hebelkraft und frisches Oel giebt. Dann geht 
sie fort, und Luftzug und Staub wird sie wenig beirren. 
Ebenso ist es mit den Naturheilmitteln. Man giebt neues 
Blut. Neue Säfte aber erzeugen neue Kraft, - — die Kraft 
aber ist die Quelle des Lebens, — die Lebenskraft in ihrer 
Frische ~ sie verjüngt und stärkt für lange Zeit." 
„Neuer geordneter Stoffwechsel, frischer Umtausch und 
Austausch, Aufnahme und Ausscheidung heißt so viel, als eine 
neue Feder einsetzen in eine Maschine, neue Räder geben dem 
künstlichen Uhrwerke." 
„Die Verwendung aber dieser Naturheilmethode im Falle 
der Krankheit, — die rationelle Verbindung derselben zu einem 
je nach individuellen Verhältnissen anzuwendenden Systeme, 
— die Kunst, durch einfache, natürliche Mittel große Heilwir 
kungen zu erzielen, heißt das Naturheilverfahren." — 
Versuchen wir nun noch in wenigen Worten das zu wiederho 
len, was das Naturheilverfahren, der Medicinkunst gegenüber, 
bezweckt. 
Das Naturheilverfahren giebt dem im naturwidrigen 
Leben verweichlichten und erschlafften Organismus die natür 
liche Energie, um die Keime der Krankheiten ab- und auszu 
stoßen. Dies geschieht namentlich dadurch, daß auf seine Ge- 
sammtkraft mit Kälte und Wärme, hervorgebracht durch Was 
ser, eingewirkt und aus diesem Wege die verschiedensten Or 
gane zur normalen Thätigkeit angeregt und die Säfte- (Blut-) 
Stockungen und Verirrungen in normalen Fluß-Zustand ge 
setzt werden. Gewöhnlich geschieht dies durch kalte Waschun 
gen, Abreibungen, nasse und trockene Einwickelungen, partielle 
Umschläge und Compressen, sowie durch Bäder und Jnnehal- 
tung einer strengen Diät. Die Wirkungen sind augenschein 
lich wohlthuend und Vortheilhaft. Indem alle Ventile des 
Körpers sich öffnen, strömen aus ihnen die in feuchter Wärme 
zu Atomen und Molekülen ausgelösten kranken Stoffe, die der 
verweichlichte und erschlaffte Organismus bei seinem ebenfalls 
geschwächten Heilvermögen bis dahin nicht los werden konnte. 
Klystiere unterstützen diesen Act, und wo Entzündungen sich 
zeigen, werden diese durch Umschläge oder Compressen schnell 
geheilt. Dies ist der allein richtige Weg, auf dem der Or 
ganismus vermöge der ihm innewohnenden regulatorischen 
Kraft schnell und sicher sich zur vollkommenen Gesundheit kräf 
tigt, und so nachtheiligen. Folgen niemals ausgesetzt ist. 
Ganz anders wirken aber die künstlichen Mittel. Der 
Kranke wird bis auf das Aeußerste abgeschwächt und gewinnt, 
sofern die Natur sich schließlich noch allein hilft, sehr langsam 
neue Kraft. Wir sehen dies täglich bei einzelnen Kranken, 
die oft Wochen und Monate an das Krankenzimmer gefesselt 
sind und dann noch öfter lebenslänglich im kranken und siechen 
Zustande vegetiren. Schon diese Andeutung stellt die Vor 
theile des einen und die Nachtheile des anderen Heilverfahrens 
in das klarste Licht, wir haben daher nicht nöthig, diesen Ge 
genstand noch weiter zu erörtern. Nur eins wollen wir noch 
erwähnen, nämlich — das eigene Urtheil der Allopathen über 
die sogenannten heroischen Mittel, die Gifte. Von diesen 
sagt man, sie haben den Nachtheil, daß man ihre Wirkung 
nicht auf das kranke Organ einschränken kann, mit ihrer An 
wendung vielmehr die Gefahr verknüpft ist, daß man die 
ganze Organisation krank macht, während ein einziges Glied 
derselben in den Zustand der Gesundheit zurückkehrt. 
Die heroischen Heilmittel, (als: Quecksilber, Calomel, 
Arsenik, Strichnin, Chinin, Belladonna, Digitalis, Jod rc.) 
—, deren man. sich fast bei allen Krankheiten bedient, sind 
also nicht von solcher Beschaffenheit, daß sie eine Verbesserung 
unseres Körperlebens ermöglichen; sie wirken sogar in dem 
selben Grade, wie ein giftiger Nebel auf eine blühende Land 
schaft. Wir dürfen daher der privilegirten ärztlichen Autori 
tät nicht mehr allein vertrauen, es ist unsere Sache, uns 
selbst zu helfen. In dieser Selbsthülfe gelangen wir wett 
eifernd zu dem Blüthepunkt unserer Lebenskraft und zu dem 
richtigen Gebrauch derjenigen Kräfte, welche uns die Natur 
im reichsten Maße, zur Gründung eines paradiesischen Erden 
lebens, spendet. Dies führt aber auch zu der Selbstverant 
wortlichkeit in Gemeinschaft Anderer. Ohne Selbstverant 
wortlichkeit jedes Einzelnen ist keine sittliche, politische Gemein 
schaft denkbar; sie allein gewährt Frieden und Sicherheit, ver 
langt aber auch die Freiheit. 
Dies Ziel menschlicher Glückseligkeit oder das goldene 
Zeitalter konnte man sich zur Zeit der Sclaverei und der 
Leibeigenschaft nicht anders, als im religiösen Sinne, im Hin 
blick auf ein Jenseits, denken. Heute ist es anders, wir er 
kennen auch schon hier jenes gelobte Land, und schon so Man-
	        
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