Volltext: Geschichte der Stadt und des Gerichtsbezirkes Odrau

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1200 fl., Gehalte der 'Bürgerschullehrer Tobiasch, Tomas, Pawlowsky, Hampel und 
Krulich 4500. fl., Gehalte der Volksschullehrer Ränzel, Hartmann und Schubert 
2100 fl., Gehalte der Unterlehrer Schwab, Siwek und Kupka 1260 fl., Quartier- 
gelder 240 fl., Katecheten 280 fl., Schuldiener 100 fl., Rückzahlung voll Passiv- 
Kapitalien 600 fl., Zinsen von Passiv-Kapitalien 50 fl., Schulbeheizung 500 fl., 
Professionistenarbeiten unb Bauten 400 fl., Schulreinigung 80 fl., Lehrmittel- und 
Bibliotheksbeitrag 50 fl., Feuerversicherung 34 fl. 20 kr., verschiedene Auslagen 100 fl., 
Lernmittel für arme Kinder 100 fl., zusammen 11.594 fl. 20 kr. — Einnahmen: Kassa¬ 
bestand — fl., Schulgeld 830 fl., Bodarsky'sche Stiftung 20 fl., zusammen 860 fl. — 
Der unbedeckte Abgang von 10.744 fl. 20 kr. wurde gedeckt: a) durch die bewilligte 
Landessubvention mit 6600 fl.; b) durch eine 37%ige Umlage auf die direkten Steuern 
per 11.230 fl. 75 kr. mit 4155 fl. 37 kr., so daß ein Überschuß von 11 fl. 17 kr. zu 
erwarten ivar. 
Die Gesamtumlagen der Gemeinde betrugen 1895 57% und sodann bis 1898 
55%, wovon 18% auf die Gemeinde- und 37% auf die Schulumlage entfallen. Die 
Stadt Odrail hat sechs Darlehen aufgenommen (1889, 90, 94, 95, 97, 98), bereu 
ursprünglicher Gesamtbetrag 58.400 fl. ausmachte. Davon waren 13.000 auf Wege, 
Straßen und Brücken, 400 fl. zur Erwerbung von Gemeinderealitäten uitb 45.000 fl. 
auf die Wasserleitung verwendet worden. Bis zum 31. Dezember 1898 wurden darauf 
bezahlt: an Zinsen 9748 fl. 77 kr., an Kapital 11.774 fl. 64 kr., zusammen 14.523 fl. 
41 kr., so daß der Darlehensrest Ende 1898 53.625 fl. 36 kr. betrug. 
Julius Gerlich, Kaufmann ttitb Oberpostmeister, bekleidete das Amt des Stadt¬ 
vorstehers von 1867 bis 1897, also volle 30 Jahre. Unter ihm hat die Verschönerung 
der Stadt wesentliche Fortschritte gemacht. Die häßlichen Gräben in den Straßen 
der Vorstädte verschwanden, die Straßen wurden gepflastert und bereu Beleuchtung 
wurde vermehrt. Er war lange Jahre Obmann des Bezirksstraßen-Ausschusses und brachte 
während seiner Tätigkeit als Abgeordneter im schlesischen Landtage die Straße im 
Oder- und Tschermenkatale mit den hübschen eisernen Brücken zustande. Der Fried¬ 
hof wurde vergrößert und verschönert, es wurde das städtische Epidemiespital und die 
Leichenhalle am Friedhofe geballt und am Kirchturm eine neue Uhr angebracht. Unter 
ihm wurde die Bürgerschule errichtet und ein neues Gemeindehaus erworben, iit 
welchem auch die unter ihm ins Leben gerufene Sparkassa untergebracht ist. Die 
Freilvillige Feuerwehr wurde von ihm gegründet, deren erster Kommandant er war, 
weiters brachte er die Wasserleitung zustande, deren Vollendung durch die Aufstellung 
des Hochstrahlbrunnens am Stadtplatze gekröllt wurde u. a. m. In Anerkennung seines 
langjährigen ersprießlichen gemeinnützigen Wirkens als Gemeiliderat uub Stadtvorsteher 
verlieh ihm Seine Majestät ihm Jahre 1870 das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, 
während die Stadt ihm eilien silbernen Ehrenpokal widmete. Am 1. Mai 1892 er¬ 
nannte ihn die Gemeinde anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Stadtvorsteher 
„in Würdigung der großen Verdienste, die sich derselbe um seine Vaterstadt während 
einer langen Reihe von Jahren erwarb", zum Ehrenbürger der Stadt Odrau. Der 
festliche Akt fand in dem mit Fahnen geschmückten Gemeindehallse im Beisein der ge¬ 
samten Gemeindevertretung, der k. k. Beamten, der Gutsverwaltung und der Vertreter 
des Gesangs-, Feuerwehr-, Turner-, Schützen- und Veteranenvereines statt. Der 
Stellvertreter des Stadtvorstehers Johann Englisch hielt eine auf die Bedeutung des 
Tages hinzielende Ansprache, in welcher er die verdienstvolle Tätigkeit des Stadt¬ 
vorstehers in eindrucksvoller Weise äußerte und demselben sodann das kunstvoll alls¬ 
gefertigte Ehrendiplom überreichte. — Anläßlich seines. 70. Geburtstages ließ die 
Gemeinde 1896 sein lebensgroßes Bild anfertigen und zierte damit den Sitzungssaal 
des Gemeindeausschusfes. 
Die dentschnationalen Ideen fanden damals iu der Bevölkerung eine ziemliche 
Verbreitung, was zur Folge hatte, daß in der bisher deutschfortschrittlichen Gemeinde¬ 
vertretung im Jahre 1897 zumeist ganz neue Männer der obgenannten Richtung 
gewählt wurdell. Bei der am 9. August stattgefundenen Wahl gingen der Kaufmann
	        
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