Full text: Kulturgeschichtliche Bilder vom Abersee

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Wanderlust nicht in der Natur der Bevölkerung gelegen. Die hohe 
Taxe scheint hier mehr zur Füllung der Kasse denn zur Verhütung 
der Landflucht geschaffen. Seit 1700 floß ein Drittel dieses Ein 
kommens der salzburgischen Landschaft zu. 1731, im Jahr der großen 
evangelischen Auswanderung, verschwindet die Rubrik des Freigeldes 
in der Amtsrechnung') und erscheint erst 1784 wieder?) unter dem 
Titel „Emigrationstaxe", die schon viel zahmer sich ansnimmt, indem 
sie nicht mehr 10, sondern 3 Prozent von dem hinausgeschafften Ver 
mögen nimmt. 
Die Kaufrechte, von denen schon oben die Rede war, sind 
eigentlich nichts anderes als ein Ausfuhrzoll. Die ältesten sind das 
Schüsselkaufrecht, das den Drechslern fiir hinausverhandelte Waren 
auferlegt war, und das Fischkaufrecht der Wolfganger. „Jeder Bürger 
bey St. Wolfgang, der daselbst Gastung gehalten, hat von wegen des 
Fischkaufs beim Abersee dem Pfleger zu Hüttenstein jährlich 12 Pfennige 
Kaufrecht zu geben." 1 * 3 ) 1622 wollten die Wolfganger die Geltung 
dieses Kanfrechts auf alle im Kleinhandel gangbaren Waren, die so 
genannten „Pfennwerth", ausgedehnt wissen. Ein derartiges Zugeständnis 
war aber gar nicht nach dem Sinn des Hütteusteiner Pflegers. Er 
zog es vor, auf das Fischkaufrecht der Wolfganger gänzlich zu ver 
zichten, und so wurde es seit 1622 auch nicht mehr eingehoben. 
Eine geordnete Verzeichnung der Ausgangszölle erscheint in den 
Amtsrechnungen erst 1663 für ausgeführtes Vieh?) Doch zeigte es 
sich alsbald, daß der in der Verordnung der Hofkammer festgelegte 
Zollsatz für die ärmlichen wirtschaftlichen Verhältnisse im Hüttensteini- 
schen zu hoch bemessen war. Beim Verkauf nach Mondsee und 
St. Wolfgang wurde ohnehin gemäß früheren Verträgen von den 
Empfängern im Ausland für jedes Stück 12 Pfennige „Willengeld" 
genommen. So wurde die Verordnung hier wieder zurückgezogen. 
Doch schon 1667 trat sie wieder in Geltung und blieb fortan bestehen, 
wurde sogar auf andere Gegenstände ausgedehnt. Noch 1667 finden 
wir einen Zoll auf Bier und Wein neben dem Viehzoll, der nach dem 
Beispiel des benachbarten Österreichs „weillen man dort ungleich nimbt, 
1) St. G. B. G., Cod. 104. 
2 ) Ebenda, Cod. 146. 
3 ) Ebenda, Cod. 13. 
4 ) St. G. B. G., Cocl. 47. Vgl. die statistische Zusammenstellung 1711 bis 
1720 im Anhang, Beilage 12, S. 112.
	        
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